Umfrage: Haiders Sager schaden ihm nicht

23. Dezember 2003, 17:15
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Klagenfurter Humaninstitut sieht FP vor SP - SPÖ bezweifelt Seriösität: "Spiegelt freiheitliches Wunschdenken wider"

Klagenfurt - Die umstrittenen Äußerungen über Saddam Hussein, George Bush und Israel in der vergangenen Woche in einem ZiB2- Interview haben Landeshauptmann Jörg Haider (F) in Kärnten offensichtlich nicht geschadet. Zu dieser Ansicht kommt zumindest das Klagenfurter Humaninstitut, welches in den vergangenen Tagen dazu 450 Kärntnerinnen und Kärntner befragt hatte. Die Umfrage sieht auch die FPÖ in der "Sonntagsfrage" zum Unterschied etwa der OGM-Befragung (für die "Kleine Zeitung") vor der SPÖ.

Emotionelle Akzeptanz

Das Humaninstitut als tiefenpsychologisch orientiertes Sozialforschungsinstitut hat die öffentliche Bewertung der Aussagen Haiders den veröffentlichten Darstellungen von Meinungsträgern aus Politik und Medien gegenübergestellt. Dabei ging es nicht um semantische Unterschiede der speziellen Wortwahl im konkreten ZiB-Interview (welches nicht alle der Befragten gesehen haben), sondern mehr um die emotionelle Akzeptanz oder ideologischen Abwehr der Stellungnahme des Landeshauptmannes im so genannten "Vergleich von Saddam Hussein und George Bush".

Auf die Frage, ob die Forderungen der politischen Mitbewerber(innen) Haiders nach dessen Rücktritt und "Nicht-Wiederwahl" auf Grund dieses Interviews berechtigt seien, antworteten nur 13 Prozent mit ja. Die überwiegende Mehrheit von 64 Prozent verneinte dies. 23 Prozent erklärten, dies nicht zu wissen.

Aufregung nicht berechtigt

Ob die Aufregung von manchen Politikern(innen) und das Echo in den Medien auf Haiders Interpretation von Bush und Saddam Hussein berechtigt sei, wurde nur von sechs Prozent der Befragten bejaht. 82 Prozent beantworteten diese Frage mit nein, zwölf Prozent hatten dazu keine Meinung.

Meinungsmacher

Die offene Frage (Mehrfachzuordnung möglich) an 30 "Meinungsmacher", wie die Wirkung der aktuellen Aussagen des Landeshauptmannes auf die Bevölkerung generell zu bewerten und erklären sei, ergab 87 Prozent für "Bewirkt hohe Aufmerksamkeit und hebt sich von üblichen 'Sprechblasenmeldungen' der Durchschnittspolitiker ab, 81 Prozent für "Der traut sich was-Effekt von Haider wird wiederbelebt, offene und stille Sympathie macht sich breit", 77 Prozent für "Irritation in gewissen Kreisen, die ihre Welt und Weltbilder immer wieder neu opportunistisch adaptieren" und schließlich 73 Prozent für "Gewisse Ängste und Verunsicherungen bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkung auf Kärnten schwingen".

"Entertainment-Wirkung"

Die ebenfalls offene Frage an "Meinungsmacher", wie sie die Wirkung der Medien-Meldungen auf die Aussagen Haiders in der Bevölkerung bewerten, ergab 82 Prozent für einen "Aha-Effekt mit kurzer, aber komprimierter Wirkung, wobei die Präsenz vor Meinungsbildung steht", 75 Prozent für "Entertainment-Wirkung steht vor Einstellungsänderung in der Bevölkerung, diese läuft über die persönliche Erfahrungsschiene", 72 Prozent für "Meinungs-Polarisierung in der Bevölkerung kann durch die Medien verstärkt werden" und schließlich 66 Prozent für "Ohne Haider wäre die politisch kommentierbare Medienlandschaft eine Wüste".

FPÖ vor SPÖ

Die letzte Frage "Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahlen wären, welcher Partei würden Sie Ihre Stimme geben?", ergab 26 Prozent für die FPÖ, 25 Prozent für die SPÖ, 17 Prozent für die ÖVP und fünf Prozent für die Grünen. Der Anteil der Unentschlossen beträgt allerdings 27 Prozent.

SPÖ bezweifelt Humaninstitut-Umfrage

Die SPÖ-Kärnten bezweifelt die Glaubwürdigkeit der jüngsten Umfrage des Klagenfurter Humaninstitutes, wonach die FPÖ in der Wählergunst vor den Sozialdemokraten liege. "Ich frage mich, wie seriös die vorliegende Umfrage ist", dazu SPÖ-Landesgeschäftsführer Herbert Würschl am Montag. Keine andere Umfrage sehe die FPÖ an erster Stelle. "Das wird auch so bleiben", fügte Würschl hinzu. Die Humaninstitut-Umfrage spiegle "freiheitliches Wunschdenken" wider.

Würschl verweist darauf, dass die SPÖ bei der letzten OGM-Umfrage der "Kleinen Zeitung" klar vor ihren Mitbewerbern FPÖ und ÖVP liege. "Auch Haiders Irak-Aussage ist in weiten Teilen der Bevölkerung sehr negativ angekommen", merkte er an. Es scheint, dass hier an der eigentlichen Sache "vorbei diskutiert" werde: "Haider hat Diktator Saddam Hussein verteidigt. Das ist eines demokratischen Politikers unwürdig." Die SPÖ jedenfalls werde "jeden Fehltritt Haiders gnadenlos aufzeigen". (APA)

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    Umfrage: Der Saddam-Bush-Vergleich sowie die Bezeichnung Israels als "Diktatur" durch Jörg Haider schaden dem Kärntner Landeshauptmann nicht.

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