Viele Probleme bei der Zukunftsvorsorge

14. Jänner 2004, 14:14
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Anlageprodukte bringen weit weniger, als es scheint, und zahlen sich nur bei recht kurzen Laufzeiten aus - Mit Infografik

Wien - "9,5 Prozent Prämie und hohe Erträge" versprechen dieser Tage sogar schon Brieftaschen in der TV-Werbung. Doch bei genauer Betrachtung erweist sich das angebliche Weihnachtsgeschenk der PZV der Banken und Versicherungen als zweifelhafter Segen, sagt der Betriebswirtschaftsprofessor Engelbert Dockner von der Universität Wien. Er weist im Gespräch mit dem STANDARD auf folgende Probleme hin:

  • Die staatliche Prämie von derzeit 9,5 Prozent, die 2004 auf neun Prozent sinken wird, wird nur einmal ausgezahlt. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren ergibt sich daraus ein Renditevorteil von 1,6 Prozent, bei 30 Jahren nur noch 0,6 Prozent gegenüber nicht geförderten Fondsprodukten.
  • "Die Kapitalgarantie ist nicht kostenlos", denn sie schlägt sich in höheren Managementgebühren nieder, warnt Dockner. Außerdem werden die Anbieter dazu verleitet, besonders konservative Anlagestrategien zu wählen, was dem Kunden nicht immer zum Vorteil gereicht. Auch die Kapitalgarantie stellt bei einer zehnjährigen Laufzeit einen größeren Wert dar als bei etwa 30 Jahren, weil das Risiko von Kursverlusten mit der Zeit sinkt.
  • Die Auflagen für die Asset Allocation - 40 Prozent Veranlagung in österreichischen Aktien oder Aktien von anderen unterkapitalisierten EU-Börsen - verschlechtern die Rendite gegenüber einem Fonds, der frei veranlagen kann, etwa auch in deutschen, amerikanischen oder japanischen Aktien oder überhaupt nur in Anleihen. Die Ökonomen Michael Halling, Georg Mosburger und Otto Randl von der Uni Wien kamen in einer Studie auf einen erwarteten Renditeverlust von 1,3 Prozent im Jahr.
  • Der steuerliche Vorteil wird mit 0,7 Prozent im Jahr angegeben.

Für Dockner ergibt sich daher folgende Rechnung: Bei einer zehnjährigen Laufzeit ergibt sich bei einem Produkt mit niedrigen Gebühren (1,5 Prozent Ausgabeaufschlag, ein Prozent jährliche Managementgebühr) ein Renditevorteil von rund einem Prozent im Jahr gegenüber gewöhnlichen Fonds. Bei 30 Jahren Laufzeit steigt der Anleger sogar etwas schlechter aus.

Widerspruch

Die Bevorzugung kürzerer Laufzeiten widerspreche dem eigentlichen Zweck des Produktes, nämlich langfristige Altersvorsorge zu fördern, und sei vom Gesetzgeber wahrscheinlich nicht beabsichtigt worden, sagt Dockner.

Ein weiteres Problem ist, dass im Dschungel der vielfältigen Angebote die genauen Gebühren gar nicht festgestellt werden können. Dockner geht daher davon aus, dass die meisten PZV-Produkte weit höhere Gebühren haben.

Bei drei Prozent Ausgabeaufschlag und 2,5 Prozent Managementgebühr wird selbst eine zehnjährige Veranlagung zum leichten Verlust. "Es wurde wieder einmal etwas geschaffen, wo keiner eine Ahnung hat, was man eigentlich bezahlt", kritisiert Anton Fink, Chef der Gutmann Bank, deren Center for Portfolio Management Pensionsprodukte bewertet, die gesetzliche Grundlage der PZV.

Positiver Effekt für die Börse

Fink sieht zwar einen positiven Effekt für die Wiener Börse, warnt aber vor späteren Gefahren: Wenn Millionen von Euro mit Kapitalgarantie auf dem österreichischen Aktienmarkt veranlagt sind, dann müssen alle Anbieter ähnliche Hedging-Strategien fahren. "Wenn dann die Börse einmal um 30 Prozent fällt, dann stehen alle auf der gleichen Seite." Will dann niemand das Risiko auf der anderen Seite übernehmen, könnte die Börse weiter fallen und die Garantie für die Banken unerwartet teuer werden. Andererseits sieht Dockner auch die Möglichkeit, dass die Banken über langjährige geschickte Hedging-Strategien ihre Gewinne deutlich erhöhen, ohne dass diese an den Kunden weitergegeben werden müssen.

Dockner kritisiert auch die Tatsache, dass in der Werbung für die Zukunftsvorsorge gar nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine Aktienveranlagung handelt. Vom Gesetzgeber fordern Dockner und Fink eine Vereinfachung der Angebotspalette: Drei oder vier Standardprodukte, die der Kunde miteinander vergleichen kann. Solange dies nicht möglich ist, könne die Zukunftsvorsorge nur bedingt empfohlen werden. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2003)

  • Was die Zukunfts- Vorsorge bringt
    grafik: standard

    Was die Zukunfts- Vorsorge bringt

  • 9,5 Prozent beträgt die staatliche Förderung im Jahr 2003 - das verschafft einer kurzfristigen Veranlagung Vorteile
    bild: derstandard.at

    9,5 Prozent beträgt die staatliche Förderung im Jahr 2003 - das verschafft einer kurzfristigen Veranlagung Vorteile

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