Libyens Weg zurück in die Staatengemeinschaft

5. Jänner 2004, 10:43
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Vom Terrorismus zu Entschädigungen

Hamburg - Wegen der Unterstützung des internationalen Terrorismus ist Libyen seit Jahrzehnten isoliert. Eine Chronologie:

17. April 1984 - Vor der libyschen Vertretung in London wird bei Protesten gegen Revolutionsführer Muammar Gaddafi eine Polizistin erschossen. Großbritannien bricht seine diplomatischen Beziehungen zu Libyen ab.

Januar 1986 - Nach Terroranschlägen auf den Flughäfen von Rom und Wien mit 19 Toten im Dezember 1985 ordnet US-Präsident Ronald Reagan einen totalen Wirtschaftsboykott gegenüber Libyen an.

5. April 1986 - Bombenexplosion in der Berliner Discothek "La Belle". Zwei US-Soldaten und eine Türkin sterben, 200 Menschen werden verletzt. Libyen gilt als Drahtzieher des Anschlags.

15. April 1986 - US-Flugzeuge bombardieren die libyschen Städte Tripolis und Bengasi. Es gibt 101 Opfer. Der Schlag soll die Fähigkeit von Staatschef Gaddafi schmälern, "Terror zu exportieren".

21. Dezember 1988 - Über dem schottischen Lockerbie explodiert ein PanAm-Jumbo, 270 Menschen sterben. Im November 1991 erlassen die USA und Großbritannien Haftbefehl gegen zwei libysche Agenten.

19. September 1989 - Über der Wüste von Niger zerreißt eine Bombe eine DC-10 der französischen Fluggesellschaft UTA. Alle 170 Insassen sterben. Die Ermittler stellen Parallelen zu Lockerbie fest.

31. März 1992 - Der UNO-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Libyen, darunter ein Luftverkehrsembargo, weil das Land sich weigert, die Lockerbie-Verdächtigen auszuliefern.

5. April 1999 - Die Tatverdächtigen werden zur Aburteilung durch schottische Richter in die Niederlande gebracht. Der UNO-Sicherheitsrat setzt die Libyen-Sanktionen aus.

Juli 1999 - Libyen sagt London Entschädigung an die Familie der britischen Polizistin zu, daraufhin werden diplomatische Beziehungen zu Großbritannien wieder aufgenommen.

Sommer 2000 - Libyen setzt sich für die Freilassung der Göttinger Familie Wallert und anderer Geiseln auf den Philippinen ein.

Januar 2001 - Der libysche Geheimdienstagent Abdel Bassit Ali el Mekrahi wird von dem schottischen Sondergericht in den Niederlanden wegen des Lockerbie-Anschlags zu lebenslanger Haft verurteilt.

Oktober 2002 - Libyen verpflichtet sich zur Entschädigung der Opfer des Anschlags auf die DC-10 der französischen UTA 1989.

August 2003 - Libyen erklärt sich für den Lockerbie-Anschlag verantwortlich und stimmt Entschädigungszahlungen zu. Die Gaddafi- Stiftung will auch die Opfer des La Belle-Anschlags entschädigen.

12. September 2003 - Der Weltsicherheitsrat hebt seine Sanktionen gegen Libyen nach elf Jahren auf.

Dezember 2003 - Libyen kündigt an, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören und die Programme zur Entwicklung dieser Waffen zu beenden. (APA/dpa)

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