Libyens Verstrickungen in den internationalen Terrorismus

5. Jänner 2004, 10:43
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Dank seiner Erdölvorkommen eines der reichsten Länder Afrikas

Tripolis - Verstrickungen in den internationalen Terrorismus und schillernde Auftritte von Revolutionsführer Oberst Muammar Gaddafi haben Libyen in die Schlagzeilen gebracht. Dank seiner reichen Erdölvorkommen und der Exporteinnahmen daraus ist das knapp 1,8 Millionen Quadratkilometer große Land eines der reichsten Afrikas. Jeder Dritte der 5,5 Millionen Einwohner des Mittelmeerstaates lebt in der Hauptstadt Tripolis.

1969 endete in Libyen mit dem Sturz des greisen Königs Idris eine vornehmlich von ausländischen Mächten bestimmte Entwicklung. Phönizier, Römer, Vandalen, Byzantiner und schließlich die Araber herrschten in dem Wüstenland, ehe das Osmanische Reich 1551 dort einen Vasallenstaat errichtete. Von 1911 an setzten sich die Italiener fest, vor allem um Tripolis, das sie zu einer der elegantesten Mittelmeerstädte ausbauten. Im Zweiten Weltkrieg wurde Libyen nach der Kriegserklärung Italiens an Großbritannien und Frankreich Schauplatz erbitterter Kämpfe, in die Benito Mussolinis deutsche Verbündete auch das Afrikakorps mit Feldmarschall Erwin Rommel, dem "Wüstenfuchs", als Befehlshaber schickten.

Putsch 1969

Nach anfänglichen Niederlagen siegten die Westmächte. Sie stützten sich auf den allseits respektierten Emir der Cyrenaika, Idris, einen Enkel des Gründers des puritanischen islamischen Senussi-Ordens. Unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wurde Libyen 1951 unabhängig. Ende der fünfziger Jahre wurden Ölbohrungen fündig und Libyen im Laufe der Zeit zum Großlieferanten.

Seit dem Putsch vom 1. September 1969 ist Muammar Gaddafi erster Mann im Staate, ohne formal die Funktionen des Staatsoberhauptes auszuüben. In den achtziger Jahren machte Libyen wegen seiner Verstrickung in den internationalen Terrorismus von sich reden und geriet international zunehmend in Isolation. Die Vorwürfe lauteten auf Finanzierung, Ausbildung und Beherbergung von Terroristen sowie Attentate auf Auslandslibyer, die "Revolutionsjustiz" genannt wurden.

Nach dem Sprengstoffanschlag auf ein US-Passagierflugzeug über der schottischen Ortschaft Lockerbie 1988 mit 270 Toten verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 1992 ein Embargo gegen Libyen, das 1993 noch einmal verschärft wurde. Erst vor wenigen Monaten hob der Sicherheitsrat diese Sanktionen auf, nachdem Libyen sich zu seiner Verantwortung für den Anschlag bekannt und begonnen hatte, die Opferfamilien zu entschädigen. Wenig später stockte Libyen die Entschädigung für die Familien der 170 Opfer eines Anschlags auf ein französisches Linienflugzeug über Niger im Jahr 1989 auf.

Die einseitig gegen Libyen verhängten Sanktionen der USA blieben von der Entscheidung des UNO-Sicherheitsrates unberührt. Washington hatte bereits 1982 ein Einfuhrverbot für libysches Erdöl und nach einem Anschlag auf die Berliner Discothek "La Belle" mit zwei toten US-Soldaten 1986 einen totalen Wirtschaftsboykott verhängt. US-Präsident George W. Bush verlängerte die Sanktionen 2001 um weitere fünf Jahre. In den vergangenen Jahren machte Libyen auch durch seine Rolle als Vermittler in Geiseldramen von sich reden. Im Jahr 2000 setzte sich die Stiftung eines Gaddafi-Sohnes für die Freilassung der deutschen Familie Wallert auf den Philippinen ein. Auch bei der Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der afghanischen Taliban 2001 und der Sahara-Geiseln in Algerien und Mali im Sommer 2003 soll Libyen mitgewirkt haben. (APA/dpa)

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