Oberösterreich: Integration zwischen Canapés und Strudel

21. Dezember 2003, 18:42
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Ein ungewöhnliches kulinarisches Catering-Projekt mit 19 behinderten Mitarbeitern in weihnachtlicher Hochkonjunktur

Linz - Vor rund zwei Jahren betrat man beim Evangelischen Diakoniewerk in Gallneukirchen in Oberösterreich pädagogisch-gastronomisches Neuland und hob das erste Catering-Projekt - betrieben von Menschen mit geistiger Behinderung - aus der Taufe. Ein Lokalaugenschein im "Kulinarium" bestätigt den guten Ruf, der dem Projekt vorauseilt.

19 behinderte Mitarbeiter

Schon in der Eingangstür des Hauses in der Linzer Innenstadt lädt feiner Duft zum Verweilen ein. Folgt man den verführerischen Gerüchen, gelangt man in die Großküche des Sozialprojektes. Dort sind 19 behinderte Mitarbeiter unter der Anleitung von drei Köchen und einer pädagogischen Fachkraft beschäftigt.

"In der Weihnachtszeit herrscht bei uns absolute Hochkonjunktur, wir sind mit unserer sehr individuell gestalteten Speisekarte auf etlichen Weihnachtsfeiern und ähnlichen Festlichkeiten vertreten", freut sich Projektleiter Gerhard Winkler.

Hohes Maß an Flexibilität

In vorweihnachtlichen Spitzenzeiten habe man - so Winkler - "pro Tag im Schnitt bis zu fünf Veranstaltungen mit jeweils bis zu 50 Gästen zu betreuen". Dies verlangt natürlich den Angestellten sehr viel an Arbeitseinsatz und ein hohes Maß an Flexibilität ab: "Unsere Kunden bestellen und wir liefern ein All-Inclusive-Catering, bei dem unsere behinderten Mitarbeitern vom Einkauf übers Kochen bis zum Servicebereich mitarbeiten", erklärt Winkler.

Neben dem Catering steht die Betreuung von vier Linzer Schulen auf dem Arbeitsplan: "Wir sorgen vier Mal wöchentlich für ein abwechslungsreiches Jausenbuffet und für das Mittagessen in den Schulen", sagt Winkler. Als Verkäufer sind ebenfalls behinderte Menschen beschäftigt.

Wertschätzung

Das besondere sei einfach der Integrationseffekt für Kunden und Verkäufer durch "den unmittelbaren Austausch und Kontakt". Beide Seiten würden enorm profitieren, da einerseits die Kunden - in den Schulen eben speziell Kinder - einen anderen Zugang zum Thema Behinderung bekommen. Die Betroffenen erfahren in Gesprächen das "unheimlich wichtig Gefühl von Wertschätzung", erzählt der Projektleiter.

Spezialität des Hauses sei der "nach einem Geheimrezept zubereitete Topfenstrudel". Neben insgesamt 35.000 Brötchen und unzähligen Cateringabenden wurden in den letzten zwei Jahren insgesamt 1,7 Kilometer von diesem "Spezial-Strudel" zubereitet.

Die Reaktionen auf das Projekt seien durchwegs positiv und "es hat bis dato eigentlich noch keine nennenswerten Probleme gegeben", zeigt sich Winkler von der Teamfähigkeit seiner Kulinarium-Mitarbeiter begeistert. Für die behinderten Mitarbeiter wurde ein spezielles Arbeitsmodell überlegt, dass auch abendliche Buffetbetreuung oder Wochenendeinsätze zulässt, ohne zu überfordern. (mro, DER STANDARD Printausgabe 20/21.12.2003)

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