Vorbildliche Telenovelas

21. Jänner 2004, 15:48
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Unlängst überraschte der ORF mit der Nachricht, man wolle eine Telenovela produzieren

Unlängst überraschte der ORF mit der Nachricht, man wolle eine Telenovela produzieren. 200 Folgen seien geplant, hieß es.

Anschauungsmaterial, wie dieses Format funktioniert, bietet RTL 2 frühmorgens. "Salomé", Tänzerin in einem mexikanischen Nachtklub, erlebt zurzeit Unglaubliches. Die Schöne liebt Julio; der ist mit Angela verheiratet. Angela hat Krebs, Salomé erwartet Julios Kind. Julios reiche, böse Mutter Lucrecia führt ein eisernes Regiment, auch Julio leidet, fügt sich aber.

Die Mutter nennen sie auch "die Wölfin", dabei ist die Frau so zickig, dass sie den Telefonhörer nur mit dem Taschentuch anfasst. An Nebenschauplätzen tanzen Frauen in der Nachtbar, manchmal vollführt selbst die 50-jährige Besitzerin im knappen Bikini Bauchnabelakrobatik.

Die Serie beweist zum einen, dass auch Mexikanerinnen ein gewisses Faible für plastische Chirurgie haben, ihren Ärzten aber nicht unbedingt zu trauen ist. Zum anderen, dass sich gesellschaftlich relevante Themen doch auch in Billigstformaten vermitteln lassen. Ein homosexueller Tänzer, der sich aus enttäuschter Liebe erhängt, ist im Land des Machismo durchaus ein Tabubruch.

Wirklich erstaunlich, für den ORF wohl schockierend, aber jenes Detail, als Männer die Kindsgeburt feierten: Die Bieretiketten waren demonstrativ verdeckt! (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 20./21.12.2003)

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