Hintergrund: Guantanamo - Stachel im Fleisch Kubas

9. Jänner 2004, 07:20
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Enklave wurde 1903 den USA überlassen

Washington - Die Bilder von gefesselten Gefangenen mit Sicht- und Gehörschutz in Käfigen brachten den US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba vor zwei Jahren in die Schlagzeilen. Am Donnerstag entschied ein US-Bundesgericht, dass die rund 660 Häftlinge aus 42 Staaten Zugang zu Anwälten und US-Gerichten erhalten müssen.

Das 117 Quadratkilometer große, im Südosten Kubas gelegene Gelände liegt rund 1000 Kilometer von der kubanischen Hauptstadt Havanna entfernt. Kuba hatte die Enklave 1903 den USA als Dank für die Unterstützung im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier überlassen. 1934 folgte ein Vertrag, der das Gebiet den Vereinigten Staaten überschrieb. Daran kann nur gerüttelt werden, wenn beide Seiten damit einverstanden sind. Die symbolische "Miete" von jährlich 5000 Dollar, die die USA an die kubanische Regierung zahlten, lehnte die Führung in Havanna seit 1960 ab. Stattdessen fordert Kuba die Rückgabe der Enklave.

Mit Schiffen versorgt

Die Militärbasis wird von den USA aus mit Schiffen versorgt. Sie verfügt auch über eine Meerwasserentsalzungsanlage, so dass die Soldaten nicht auf die kubanische Wasserversorgung angewiesen sind.

Im Kalten Krieg war der inzwischen letzte US-Militärstützpunkt in Lateinamerika strategisch wichtig, danach verlor die Basis an Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurden zehntausende kubanische und haitianische Flüchtlinge vorübergehend in Guantanamo untergebracht. Sie waren bei dem Versuch auf See abgefangen worden, die USA in Booten zu erreichen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Afghanistan-Krieg wurden Kämpfer dort inhaftiert, denen Verbindungen zu den afghanischen Taliban und zum Al-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden zur Last gelegt werden. Die meisten von ihnen werden bereits seit rund zwei Jahren auf dem US-Militärstützpunkt festgehalten. Die US-Regierung verweigert den Inhaftierten den Status und damit auch die Rechte von Kriegsgefangenen; die meisten von ihnen haben bisher keinerlei Rechtsbeistand. Menschenrechtsorganisationen kritisierten wiederholt die Haftbedingungen. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sollen auch Kinder in Guantanamo inhaftiert sein. (APA)

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