Das Morbus Alzheimer-Risiko steigt mit der Zahl der Geschwister

25. Jänner 2000, 14:34

Menschen aus kinderreichen Familien erkranken später häufiger

Washington - Menschen aus kinderreichen Familien erkranken später häufiger als andere Menschen an Alzheimer. Das zeigt eine Studie, die die Amerikanische Akademie für Neurologie am Mittwoch in ihrer Fachzeitschrift "Neurology" veröffentlicht. Als einen Hauptgrund nennen die Autoren einen oft relativ geringen sozialen Status und damit verminderte Bildungsmöglichkeiten der Kinder. Eine gute geistige Förderung aber vermindere das Risiko für die Demenzerkrankung.

Das Team um Victoria Moceri von der Universität von Washington verglich die "Kinderstube" von 770 US-Bürgern im Alter von wenigstens 60 Jahren. 393 dieser Senioren hatten die Alzheimer-Krankheit, die anderen ließen keine Anzeichen von geistiger Demenz erkennen. Wer mit fünf oder mehr Brüdern oder Schwestern aufwächst, ist demnach im Durchschnitt um 39 Prozent stärker Alzheimer-gefährdet als ein Einzelkind.

Die Forscher fanden heraus, dass jene Regionen im Hirn, die in der Kindheit und Jugend die längste Zeit zum Reifen brauchen, die ersten Anzeichen von Alzheimer zeigen. "Ein wenig förderndes Umfeld in der Kindheit könnte das Hirn daran hindern, sich voll zu entwickeln", spekulierte Moceri. Das heißt, dass das Hirn bei diesen Menschen zwar normal arbeiten, aber weniger effizient funktionieren würde.

Da Familien mit fünf und mehr Kindern im allgemeinen größere soziale und wirtschaftliche Probleme haben, würden sie auch geistig oft weniger gefördert und müssten die geringere Entwicklung des Hirns im Alter manchmal mit Alzheimer bezahlen.

Ein solches Muster bestätigen nach Auskunft des Teams auch weitere Studien. Alte Menschen, die als Kinder in einem armen Stadtviertel oder auf einem Bauernhof aufgewachsen waren, entwickelten eher Alzheimer als andere, die einen betuchten Vorort ihr erstes Zuhause nannten. Das Alter der Mutter bei der Geburt und die Reihenfolge der Kinder spiele dagegen keine Rolle bei dem Alzheimer-Risiko. (APA)

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