Weihnachten ist noch nicht digital

29. Dezember 2003, 13:06
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Bisher haben die Händler keine Geschenke im Angebot für Digitalfernsehen ab 2004

Schon ab Februar sollen die ersten digitalen Fernsehsignale durch Graz wabern. Wer sie auch sehen will, braucht den passenden Decoder, ob eingebaut im Fernseher oder als weiteres Kästchen in der guten Stube. Weihnachten wäre doch die passende Gelegenheit, sich oder anderen ein solches Stück zu schenken, allein: Noch sind sie nicht zu haben., ergab ein Rundruf an der Mur.

"Ich weiß...

"Wir haben dazu noch nicht einmal nähere Informationen. Leider. Ich habe dazu selber erst einen Bericht in der Zeitung gelesen." Soweit zum Beispiel unsere Anfrage bei Elektrohändler Rossbacher in der Girardigasse. Aber immerhin: "Die Berliner haben es in einer Testphase. In Österreich gibt es das so noch nicht zu kaufen. In Graz wird das erst in verschiedenen Haushalten getestet."

Davon hat man auch bei Mediamarkt in Seiersberg gehört, aber: "Ich weiß nichts davon, dass das schon so weit ist. Ich weiß nur vom Testlauf mit 150 Einwohnern in Graz, die daran angeschlossen sind. Aber nicht, dass das schon freigegeben sein könnte."

Ab 3. April ist es soweit, rund drei Monate lang bis zum Ende der Fußballeuropameisterschaft. 150 Grazer Haushalten stellen die Marktforscher von Fessel den passenden Decoder ins Heim und diesen auch funktionstüchtig ein. Sie sollen herausfinden, ob und welche digitalen Zusatzdienste die Seher auch nutzen. Einer der digitalen Kanäle ist solchen Spielen, Abstimmungsmöglichkeiten und dergleichen Interaktion vorbehalten.

Nicht ganz am Punkt ist man also in der BOF-Filiale im Shopping Center West, wo Decoderpreise und Testzeitpunkt auch noch sehr unklar sind: "ORF 1, 2, dann wird wahrscheinlich noch 3sat oder TW1 kommen."

Neben dem vierten interaktiven Kanal kommen tatsächlich ORF 1 und 2, zudem aber ATV+. Diese drei können aber nicht nur die 150 Testhaushalte empfangen, sondern alle mit Decoder im Einzugsgebiet des Grazer Versuchs. Wo genau, sollen erste Messungen ergeben, wenn ab Februar Testsignale laufen.

...nichts davon...

Etwas missverstanden hat noch unsere Auskunfsperson bei Hartlauer in Seiersberg: "Es wird über Kabel-TV sein, wie sie sich das Verfahren genau vorstellen ist mir nicht ganz klar. Weil über normale Antenne in dem Sinn müsste man das Sende- und Empfangssystem umstellen. Wie sie sich das vorstellen, ist mir nicht ganz klar. Es wird eine Zeit dauern, bis das wirklich alles hinhaut, glaube ich."

Dauern wird es, bis ganz Österreich noch digital sieht – den Freitag veröffentlichten Fahrplan der Medienbehörde finden Sie in der Grafik rechts. Um Kabelfernsehen geht es dabei jedenfalls nicht, das bietet die Telekabel auch in Graz bereits digital an.

...dass es schon...

Dieser Fahrplan gilt alleine dem Digitalfernsehen über Haus- oder Zimmerantenne. Vorteil: Heute braucht ORF 2 alleine eine – analog genutzte – Frequenz. Digital verwendet hat dieselbe Frequenz Platz für vier Programme oder eben drei und einen Zusatzdienst.

In Berlin gibt es seit vergangenem September kein analoges Signal mehr. Die Vielfalt an Programmen über Antenne ärgert dort die Kabelbetreiber. Jene in Österreich drohten schon mit den EU-Wettbewerbsbehörden, fließen die jährlich 7,5 Millionen Euro aus dem Digitalisierungsfonds alleine in terrestrisches TV über Antenne.

A propos Geld. Wie hieß es bei Niedermeyer, Filiale Citypark: "Fernsehgeräte mit integrierter Settopbox wird es in weiterer Folge natürlich geben, nur in einer Preisklasse, wo der Decoder weitaus günstiger sein wird."

Das bestätigt Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der für den Testbetrieb zuständigen Rundfunkregulierungsgesellschaft RTR: Um 2800 Euro kostet eines der Sony-Geräte, die derzeit schon digitales Satellitenfernsehen abbilden können und die für Graz auf terrestrisches Digital-TV umgerüstet werden.

"...so weit ist."

Einige Dutzend Stück will Sony zum Pilotversuch in Graz zum Aktionspreis anbieten, voraussichtlich ein gutes Stück unter 2000 Euro. Die Decoderboxen alleine sollen rund 300 Euro kosten.

Aus Finnland kommen laut RTR besonders handliche Anwendungen: Kombinationen aus UMTS-Handy und Digital-TV: Daten an viele Kunden verschicken die Betreiber über TV, Rückmeldungen – wie zum Beispiel Bestellungen – kommen via nächstem Mobiltelefonstandard UMTS.

Brauchen wird man die Kästchen spätestens 2010, wenn auch in Wien ganz Schluss mit analogem Fernsehen ist. Ohne die Decoder – oder einen tauglichen Fernseher – bleibt der Bildschirm so unergiebig wie die Auskunft bei Saturn in der Grazer Annenpassage: "Wir haben keine Informationen dazu. Rufen Sie den ORF-Kundendienst an." (Doris Priesching/Harald FidlerDER STANDARD, Printausgabe vom 20./21.12.2003)

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    grafik: der standard
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