Rotes Kreuz kritisiert Kinderhaft auf Guantanamo

9. Jänner 2004, 07:20
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"Ihr Schicksal muss so rasch wie möglich geklärt werden"

München - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die USA heftig dafür kritisiert, dass sie auch Kinder auf dem Marinestützpunkt Guantanamo auf Kuba gefangen halten. Ende November kündigte das IKRK an, in Gesprächen mit den USA eine Lösung für die Kinder zu suchen.

"Wir hoffen, dass dieses Problem mit den Kindern schnell gelöst wird", sagte IKRK-Generaldirektor Angelo Gnädinger. Es sei "inakzeptabel", dass die Gefangenen in dem Lager auf Kuba in einem "rechtlichen Vakuum" gehalten würden. "Ihr Schicksal muss so rasch wie möglich geklärt werden. Es darf keinen Zweifel über ihre Zukunft und ihr rechtliches Schicksal geben."

Die USA halten in Guantanamo etwa 660 Menschen aus 42 Staaten gefangen. Ihnen wird vorgeworfen, Anhänger der afghanischen Taliban oder Terroristen zu sein. In dem Lager soll sich etwa ein Dutzend Jugendlicher unter 18 Jahren befinden, darunter 13-, 14- und 15- Jährige.

Nach Angaben von IKRK-Sprecher Florian Westphal haben die USA nach Intervention des Roten Kreuzes Maßnahmen ergriffen, "um einige dieser Jugendlichen besser zu schützen". Sie würden getrennt von den Erwachsenen festgehalten. Dies reiche aber nicht aus. So sei es äußerst bedenklich, dass die Kinder keinen direkten Kontakt mit ihren Familien hätten.

Die offene Kritik des Roten Kreuzes an der Bush-Regierung ist ungewöhnlich. Normalerweise versucht die Organisation, in stiller Diplomatie das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen. Offenbar ist sie damit im Fall Guantanamo aber nicht weiter gekommen. Washington weigert sich, die Häftlinge als Kriegsgefangene anzuerkennen, und bezeichnet sie als "illegale Kombattanten". (APA)

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