Kommentar: Klasnics Weihnachten

9. Jänner 2004, 18:53
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Wie in vielen anderen Unternehmen, wo die Parteipolitik ihre Hände mit im Spiel hat, ist die Sache hoffnungslos verfilzt - Kommentar von Walter Müller

Sie ist schon einigermaßen bizarr, diese Affäre um den steirischen Leitbetrieb Energie Steiermark AG (Estag). Da wechselte der visionäre Querdenker und begnadete Polemiker Gerhard Hirschmann von der Politik - weil ihm dort schon fad wurde - in die Privatwirtschaft. Kaum im Unternehmen angekommen, das mehrheitlich dem Land gehört und dessen Entwicklung er seit Jahren als Landesregierungsmitglied bestens kennt, entdeckt er dort Privilegien, Protzbauten, hohe Vorstandsgagen, sogar angebliche Bilanzmanipulationen. Bisherige Gutachten und Untersuchungen der Staatsanwaltschaft haben aber ergeben, dass bis heute nichts Gravierendes vorliegt. Was nicht heißt, dass alles in Ordnung ist.

Wie in vielen anderen Unternehmen, wo die Parteipolitik ihre Hände mit im Spiel hat, ist die Sache hoffnungslos verfilzt. Rundum dümpeln goldene Ausgedingebiotope mit blühender Goodies-Kultur für alternde Politiker oder andere parteinahe Akteure. Das gehört trockengelegt. Nicht nur in der Estag.

Ob Hirschmann mit seiner Aktion "Robin Hood" Recht behält, wird letztlich das Ergebnis der aktienrechtlichen Sonderprüfung im Jänner zeigen. Auch wenn er jetzt zurückrudert und relativiert: Die Kuh ist aus dem Stall. Hirschmann hat in eindeutiger Weise sein eigenes Unternehmen schwer beschuldigt.

Die zentrale Frage aber wird letztlich eine hochpolitische sein. Was, wenn Aufsichtsratschef Johannes Ditz Hirschmanns Ablöse vorschlägt, weil er womöglich gegen das Aktienrecht verstoßen hat? Wagt es Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, die die Causa prima an sich gezogen hat, den Auftrag zum Hinauswurf ihres Parteifreundes zu erteilen? Ein Rausschmiss Hirschmanns ginge tief ins Fleisch der steirischen ÖVP. Es dürften sehr nachdenkliche Weihnachten für Waltraud Klasnic werden. (Der Standard, Printausgabe, 19.12.2003)

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