Annäherung an Japan

26. Dezember 2003, 19:24
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"Primitive Infantilität und radikale Gesellschaftskritik" zeitgenössischer Kunst im Salzburger Rupertinum

Salzburg - "The Japanese Experience - Inevitable" heißt die Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus Japan, die von 19.12. bis 14. März 2004 im Salzburger Rupertinum zu sehen ist. Präsentiert werden elf meist junge und vor allem weibliche Künstler, die mit ihren Arbeiten einen repräsentativen Querschnitt über das aktuelle Kunstschaffen Japans vermitteln sollen.

"Zwischen radikaler Gesellschaftskritik sowie übertrieben weiblichem Sexismus und primitiver Infantilität ist diese Kunst angesiedelt. Sie ist ambivalent und steckt zwischen Tradition und comicstripartiger, virtueller Popart", erläuterte Margrit Brehm, Kuratorin dieser Ausstellung bei der Pressebesichtigung: "Die japanische Gesellschaft ist weit mehr von der Zeichentrickfilm-Kultur, von Handys und Computerspielen geprägt als die europäische. Dennoch haben alle der in Salzburg präsentierten Künstler ein Studium an der streng traditionellen Kunsthochschule in Tokio absolviert, in der so gut wie ausschließlich die traditionelle japanische Malerei gelehrt wird. Und genau diesen typisch japanischen Widerspruch haben wir versucht in dieser Ausstellung darzustellen".

Abwandlung und Überzeichnung

Eine japanische Heidi, eine Mutation des alpenländischen Vorbilds, in U-Bahnen schlafende Menschen, japanische Mickey-Mäuse, halluzinatorische Bilder von europäischen Frauengestalten in kühlen, eindimensionalen Farben ohne räumliche Wirkung, überzeichneter Sexismus meist von Künstlerinnen: Bilder aus einer amerikanisierten Gesellschaft, die zugleich tief in der Tradition verwurzelt ist. Diese werden ergänzt durch Beiträge über Japan aus dem Blickwinkel des Westens wie zum Beispiel Alex Katz oder Pino Pascali.

Einer der Stars der aktuellen Japan-Schau ist Takashi Murakami, der, ähnlich wie Andy Warhol, seine Kunstwerke von Anderen ausführen ließ. Mehr noch, Murakami hat im wenig lebendigen japanischen Kunstmarkt neue Marketing-Strategien entwickelt und seine Kunst in die Jugendszene getragen, also in Spiel- und Konzerthallen oder auf der Straße verkauft und mit seinem alltagstauglichen Kunstkonzept wirtschaftliche und ästhetische Maßstäbe gesetzt.

Auch der in Japan jedem Kind bekannte Künstler Yoshitomo Nara ist vertreten, mit seinen pop-artigen und sozialkritischen Comicfiguren. Hinter diesen niedlichen Kinder- und Hundefiguren verbirgt sich eine naive und zugleich radikale Kritik an traditionellen japanischen Denkmustern, die stärker noch als jene in Europa das gesellschaftliche Klima Japans prägen. (APA)

Link

rupertinum.at

Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

  • Jun Hasegawa Red Square Painting (2001, Ausschnitt)
    foto: rupertinum / courtesy taro nasu gallery tokyo

    Jun Hasegawa
    Red Square Painting
    (2001, Ausschnitt)

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