Die Open Source-Hardware kommt

2. Jänner 2004, 11:51
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Was bei der Software funktioniert hat, soll nun auch die Hardware-Industrie erfassen

Ein Artikel in der Zeitschrift Wired geht der Frage nach, ob Open Source-Software in Zukunft auch die Hardware-Branche revolutionieren könnte. Ähnlich wie bei der proprietären Software könnte Open Source auch in dem Hardware-Sektor für Umwälzung sorgen, meinen zumindest Open Source-Experten.

System-on-Chip

Auf einer Entwicklerveranstaltung in den USA präsentierte Damjan Lampret, Gründer der OpenCores.org, einem Konsortium von Entwicklern, die sich der Verbreitung von freier Hardware verschrieben haben, seine neueste Errungenschaft. OpenCores hat einen funktionierenden System-on-Chip-Mikroprozessor entwickelt, der gänzlich auf freien Open Source-Blueprints basiert. Diese Art von Prozessoren bietet vielfältige Kontrolleinheiten, die es den Benutzern ermöglichen Computer mit einer großen Anzahl von Komponenten herzustellen.

Billigere Hardware?

Nach Meinung von Lampret würde diese Open Source-Initiative die Hardware-Industrie dazu bringen, in den kommenden Jahren billigere Geräte auf den Markt zu bringen. "Die Hardware war immer schon sehr proprietär, viel stärker als die Software. Aber unser System-on-Chip zeigt, dass Open Source auch in der Hardware-Branche erfolgreicher Mitbewerber sein kann, vor allem bei embedded Applikationen", so Lampret.

Lizenzfreie Blueprints

Die Open Source-Verfechter hoffen das Modell der Software-Landschaft auch auf die Hardware umlegen zu können. Die Hersteller sollen dazu gebracht werden, die Blueprints von OpenCores in ihre Gerät einfließen zu lassen und so selbst Zeit und Forschungsgelder zu sparen, auf der anderen Seite aber auch billigere Geräte in den Handel zu bringen. Dieser Kreislauf würde dann in weiterer Folge auch zu einer stärkeren Verbreitung von Open Source-Software führen und so das große Ziel von einem umfassenden Angebot lizenz- und patentfreier Soft- und Hardware erreichbarer machen.

Ein großes Potential

Wired zitiert Bruce Perens, Autor der The Open Source Definition, mit den Worten: "Diese Initiative hat das Potential um eine große Anzahl von Problemen der Open Source-Community zu lösen. So könnten etwa die Schwierigkeiten der Linux-Entwickler mit der Unterstützung von WiFi- und 3D-Karten schwinden". Laut Lampert hat bereits ein namentlich nicht genannte großer Hersteller sein Interesse an den Erkenntnissen von OpenCore geäußert.

Intel sieht keine Probleme

"Die Prozessoren, die Intel entwickelt, sind weitaus komplexer als jene an denen die Open-Source Gruppen arbeiten", meint Intel-Sprecher Chuck Malloy gegenüber Wired. Intel sieht daher keine großen Probleme mit Open Source in der Hardware-Branche und scheint auch keine neuen Konkurrenten erkennen zu können. "Wir entwickeln Chips für High-Performance Rechner, es scheint als wären die (OpenCore, Anm. d. Red.) Entwickler am stärksten an der Entwicklung von Low-power embedded Devices interessiert."

Wenig Leistung

Der vorgestellte OpenCore-Chip bietet tatsächlich auch nur eine Leistung von 160 MHz und ist für komplexe mathematische Prozesse nicht geeignet. Allerdings, so die Entwickler, würden sie nur die gängigen Hardware-Patente von der Entwicklung eines wirklich konkurrenzfähigen Prozessors abhalten. "Man muss sich vor Augen halten, dass derzeit rund 100.000 Patente auf einem heutigen CPU liegen. Es wird also schwierig hier ein wirklich freies Design abzuliefern", so Malloy.

Die Gefahren

Diese "Last der Patente" birgt auch eine Reihe von Gefahren für die Entwickler freier Hardware. Das Damokles-Schwert der Lizenzen schwebt unentwegt über den Köpfen der Entwickler und birgt die Gefahr von Patentrechts-Klagen. Laut Angaben der American Intellectual Property Law Association würde ein typischer Patentstreit in den USA Kosten von 500.000 bis 2,5 Millionen Dollar verursachen - für die Open Source-Entwickler Summen, die wohl kaum aufzustellen sein werden.(grex)

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