Hirschmann sieht Szenario eines Rauswurfs "gelassen"

9. Jänner 2004, 18:53
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Estag-Vorstand Gerhard Hirschmann wehrt sich erstmals gegen die Vorwürfe, er habe Interna aus dem Vorstand verbreitet

Graz - Szenarien über einen eventuellen Hinauswurf aus der Vorstandsetage der Energie Steiermark AG begegne er "mit großer Gelassenheit". Zumal er sich nichts vorzuwerfen habe, sagte Estag-Vorstand Gerhard Hirschmann am Mittwoch im Gespräch mit dem STANDARD. "Ich habe mich stets an das Aktienrecht gehalten und keine Interna nach außen getragen."

Hirschmann wird von seinen beiden Vorstandskollegen Hubert Jeneral und Werner Heinzl, die die Ablöse des ehemaligen ÖVP-Landesrates fordern, vorgeworfen, er habe mit öffentlichen Äußerungen über Vorstandsinterna, über angebliche Bilanzmanipulationen und Privilegien der Estag schweren Schaden zugefügt.

"Wehren uns"

"Wir können uns das nicht länger gefallen lassen, wir wehren uns, und wir werden die Ablöse des Kollegen Hirschmann verlangen", hatten Heinzl und Jeneral im November Konsequenzen gefordert. Jeneral und Heinzl kündigten überdies eine Klage gegen Hirschmann wegen Verleumdung an. Im Gespräch mit dem STANDARD reagiert Hirschmann nun erstmals öffentlich auf die Angriffe seiner Kollegen.

"Stimmt alles nicht", sagt Hirschmann. "Von mir ist, seit ich in der Estag bin, nie der Vorwurf einer Bilanzmanipulierung oder irgendeines strafrechtlich relevanten Tatbestandes hinausgegangen, ich verwehre mich dagegen." In diesem Punkt existiert jedoch eine völlig konträre Darstellung des Eigentümervertreters Herbert Paierl.

Der Finanzlandesrat hatte nach Hinweisen von Hirschmann über mögliche strafrechtliche Verfehlungen den damaligen Aufsichtsratschef Norbert Ertler informiert, der die Staatsanwaltschaft einschaltete - die die Causa aber nach eingehender Prüfung ad acta legte.

"Die Causa ist geklärt"

Hirschmann bleibt dennoch dabei: "Von mir hat es nie den Vorwurf strafrechtlich relevanter Vorgangsweisen in der Estag gegeben. Ich bitte das ad notam zu nehmen." Der Estag-Vorstand beteuert auch, er habe sich stets an das Schweigegebot des Vorstandes und das Aktienrecht gehalten. Der ehemalige Landesrat ist nun vielmehr bemüht, die wirtschaftspolitische Causa prima der Steiermark zu relativieren. Er halte die ganze Affäre im Grunde, in den Kernpunkten, ohnehin bereits für gegessen.

Jene Kritikpunkte, die er geäußert habe, seien mittlerweile geklärt. Hirschmann: "Die Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic hat alle meine Punkte, die ich kritisiert habe, geklärt." Der von ihm als "Pallazzo Prozzo" titulierte Firmensitz werde verkauft, die Estag-Beteiligungen auf das Kerngeschäft zurückgefahren und die Vorstandsgehälter um 20 Prozent gekürzt.

Hirschmann: "Meine Vorwürfe waren bekannt. Für mich ist es erledigt. Alles andere ist Sache des Rechnungshofes." (DER STANDARD Printausgabe, 18.12.2003, Walter Müller)

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    Estag-Vorstand Gerhard Hirschmann weist alle Vorwürfe von sich. Im übigen sieht er die Turbulenzen rund um den Stromkonzern als beendet an.

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