Schüssel: "Ich bin kein junges, wieherndes Schlachtpferd"

19. Dezember 2003, 17:38
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Bundeskanzler verweist bei Frage über Nachfolge des EU-Kommissionspräsidenten Prodi auf nächste europäische Wahlen

Wien - Gelassen reagiert Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) auf Spekulationen, wonach er Romano Prodi als EU-Kommissionspräsident nachfolgen könnte. "Das Thema Nachfolger wird von den (EU)-Parlamentswahlen abhängen, außerdem gibt es eine Reihe anderer Kandidaten. Und ich bin bis ins Jahr 2006 mit der Wiener Regierung beschäftigt", sagt Schüssel in der Donnerstag-Ausgabe des "Münchner Merkur".

"Von Reiz kann keine Rede sein"

Auf die Frage, ob ihn ein solcher Karrieresprung reizen würde, erklärt Schüssel: "Von Reiz kann keine Rede sein. Ich bin kein junges, wieherndes Schlachtpferd, dass im Stall steht und auf die Weide hinaus springen will. Ich mache meinen Job. Alles andere lenkt nur ab."

"Ich habe den Eindruck, da fürchten sich ein paar zu Tode"

Die Situation der EU nach dem gescheiterten Verfassungsgipfel sieht der Bundeskanzler deutlich positiver als etwa EU-Kommissar Franz Fischler, der vor einem "Ende der EU" gewarnt hatte. "Ich habe den Eindruck, da fürchten sich ein paar zu Tode. Was wir vergangenes Wochenende erlebt haben, war mit Sicherheit nicht das Scheitern der EU. Wir werden einfach noch ein wenig mehr Zeit benötigen, um an einer EU-Verfassung zu arbeiten", meint Schüssel.

"Ich halte nichts von Politikern, die sich nicht trauen, den Menschen die Wahrheit zu sagen"

Zur österreichischen Innenpolitik und den schlechten Umfragewerten der ÖVP sagte der Bundeskanzler: "Umfragen sind Momentaufnahmen. Nach den gigantischen Reformprojekten, die wir in den ersten zehn Monaten abgewickelt haben - Pensionen, Arbeitsmarkt, Bundesbahnen, Bildung, Wirtschaft und Sicherheit - ist mir klar, dass der eine oder andere Wähler in den Wartesaal geht. Die Österreicher sehen ein, dass diese Reformen notwendig waren und werden diesen Weg weiterhin mit uns gehen." Und weiter: "Die Reformen sind notwendig. Ganz gleich, ob sie jetzt populär sind, oder nicht. Ich halte nichts von Politikern, die sich nicht trauen, den Menschen die Wahrheit zu sagen." (red)

  • Bundeskanzler Schüssel: "Ich mache meinen Job. Alles andere lenkt nur ab."
    foto: standard/matthias cremer

    Bundeskanzler Schüssel: "Ich mache meinen Job. Alles andere lenkt nur ab."

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