Fernsehen zum Mitmachen

5. Jänner 2004, 09:28
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"Wie sollen wir für die BBC bezahlen?" - Über die Zukunft der britischen Sendeanstalt dürfen Zuseher jetzt mitentscheiden

"Sollen auf BBC Werbesendungen laufen?", "Wie sollen wir für die BBC bezahlen?", "Was sollte die BBC Ihrer Meinung nach unternehmen, um die technologischen und kulturellen Anforderungen zu meistern?" - In für hiesige Medienverhältnisse ungewöhnlicher Offenheit will die britische Regierung seinem Staatssender zu einer Neuorientierung verhelfen. Und wendet sich damit direkt ans Publikum: Acht Fragen sollen die Briten ihrem Kulturministerium bis März 2004 beantworten, berichtet der Guardian.

Die Antworten werden darüber mitentscheiden, was aus der staatlichen Sendeanstalt BBC werden soll. "Über die Fernsehgebühren sind die Zuseher so etwas wie Aktienbesitzer der BBC", erklärt Kulturministerin Tessa Jowell ihr Anliegen. Mit Briefen und E- Mail kann jedermann Meinungen zu "seinem" öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgeben.

Das britische Volk als "treibende Kraft"

Die BBC wird ähnlich wie in Österreich durch Gebühren finanziert. Ihre Grundlagen sind in der Royal Charter festgeschrieben, die 2006 ausläuft und erneuert werden soll. Dabei sei das britische Volk "treibende Kraft", sagt Jowell.

Kenner werten die Aktion allerdings als "Puppentheater", mit dem man das Volk bei Laune hielte. Wirklich mit einbezogen würden Einzelmeinungen letztlich nicht.

Darüber hinaus dürfen festangestellte und hoch bezahlte BBC-Korrespondenten laut einer neuen Richtlinie nicht mehr Meinungskolumnen für große Tageszeitungen schreiben. Die Maßnahme steht nach Ansicht politischer Beobachter in Zusammenhang mit dem Bestreben der BBC, nach den Enthüllungen der Kelly-Affäre "rein und unparteilich" dazustehen.

Dass im britischen TV Diskussionen aber auch aus weitaus geringeren Anlässen geführt werden, beweist Martin Scorseses "Die letzte Versuchung". Der 1988 entstandene Film über das Leben Jesu Christi lief unlängst zum ersten Mal im terrestrischen Fernsehen - und löste eine Beschwerdeflut aus. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 18.12.2003)

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