Tele2: Grundgebühren- Liberalisierung nützt nur der Telekom Austria

19. Dezember 2003, 11:54
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Wieser kritisiert "negativen Aufschlag" der Telekom Austria bei Großhandelsentgelten - Rechtliche Schritte auf EU-Ebene werden geprüft

Das von der Telekom-Regulierungsbehörde RTR präsentierte Modell, wonach die Telefon-Grundgebühr künftig auch von Alternativen Festnetzbetreibern ohne eigene Infrastruktur eingehoben werden kann, ist für Tele2-Chef Norbert Wieser ein Angebot "das kein Alternativer nützen wird". "Hier werden schlechte Nachrichten mit Jubelmeldungen übertüncht - dass man mit einem negativen Aufschlag kein profitables Wiederverkaufsgeschäft betreiben kann, steht wohl außer Streit", so Wieser am Mittwoch.

Anlauf-, Zusatz- und Umstellungskosten

Er begründet seinen Argwohn mit einer Rechnung: "Wenn man das Großhandelsentgelt von 12,70 Euro um die Mehrwertsteuer ergänzt, ergeben sich 15,24 Euro. Stellt man dies der um die Gratisleistungen bereinigten Privatkunden-Grundgebühr im TikTak Family Tarif der Telekom Austria mit 13,55 gegenüber, so ergibt sich eine negative Differenz von rund 1,70 Euro pro Monat. Auch mit einem Aufschlag von 62 Cent, wenn man die Gratisleistungen beim TikTak Privat Tarif unzulässigerweise außer Acht lässt, können keinesfalls die Kosten für Kundenbetreuung, Rechnungslegung und Versand von rund 4 Euro pro Monat gedeckt werden. Hinzu kommen noch Anlauf-, Zusatz- und Umstellungskosten in der Größenordnung von knapp 1. Mio. Euro pro Betreiber."

Ein "weiteren Schritt hin in die falsche Richtung"

Wieser sieht in der RTR-Entscheidung einen "weiteren Schritt hin in die falsche Richtung", schließlich habe schon die Streichung des Minimumtarifes nur der Telekom Austria und nicht den Konsumenten genützt. Man habe jedenfalls wegen der aktuellen RTR-Entscheidung mit den zuständigen Stellen in der EU Kontakt aufgenommen, die Regelung beim Minimumtarif sei ohnehin schon bei der Bundeswettbewerbsbehörde anhängig. Weitere rechtliche Schritte auf EU-Ebene werden geprüft, so Wieser, der mit Tele2 den größten österreichischen Festnetzanbieter hinter der Telekom Austria leitet.

Telekom Austria weist Vorwürfe zurück: Tarife genehmigt

Die Telekom Austria (TA) weist die Vorwürfe des Mitbewerbers Tele2 zurück, wonach die Großhandelsentgelte für die Grundgebühr über den Endkundentarifen lägen. Die günstige Grundgebühr bei Endkunden-Tarifen (TikTak International) betrage 15,84 Euro uns sei damit höher als der Wholesale-Tarif, sagte TA-Sprecher Martin Bredl am Mittwoch zur APA. Beim Tiktak-Tarif die Kosten für die Gratis-Minuten abzuziehen sei unzulässig. Die Gratisminuten seien ein Rabatt auf die Gesprächsgebühr und nicht auf die Grundgebühr. Deshalb habe der Regulator auch die Tarife genehmigt, betont Bredl. (APA)

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