Eine Gondel der Superlative

9. Jänner 2004, 14:17
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Mit der größten frei schwebenden Seilbahn der Welt wurde ein Schigebiet mit 238 Pisten erschlossen

Die Skigebiete in den französischen Hochalpen werden noch vor Weihnachten um eine Schwindel erregende Attraktion bereichert - den Vanoise-Express mit einer Kapazität von 200 Menschen, die größte frei schwebende Seilbahn der Welt. Mit der Gondel der Superlative, in der die Wintersportler über einen 380 Meter tiefen Abgrund schweben und zugleich das Montblanc-Massiv bewundern können, entsteht ein Skigebiet mit 238 Pisten.

An optimalen Tagen macht das 425 Kilometer in allen Kategorien, vom Idiotenhügel bis zu den 29 halsbrecherischen schwarzen Pisten. Die Stationen La Plagne und Les Arcs, die je einzeln schon weiten Auslauf bieten, schließen sich mit dem Vanoise-Express nach Ansicht der Werbefachleute zu einem wahren Paradies zusammen. "Paradiski", der Name der Neukreation, ist für sie Programm.

Die beiden Stationen, zwischen denen der Vanoise-Express hin- und hergondelt, liegen 1.830 Meter auseinander. Dazwischen gähnt die Ponturin-Schlucht. Ohne Stützpfeiler schwebt die Gondel von einer Seite zur anderen. Die Fahrt dauert vier Minuten, einmal in Schwung gekommen erreicht die zweigeschossige Gondel ein Tempo von 12,5 Metern in der Sekunde.

"Wenn ein Fünftel aller Skisportler aus La Plagne und Les Arcs die Seilbahn benutzt, bekommen wir unsere Kosten wieder rein", sagt der Manager Pierre Gonthier. Die wenigsten Nutzer werden ein Einzelticket lösen, denn die Fahrt mit dem Vanoise-Express lohnt sich vor allem für Abfahrtsläufer, die möglichst viele Pisten hinuntersausen wollen. Sie müssen für das Kombi-Ticket eines der beiden Skigebiete inklusive der neuen Seilbahn rund 220 Euro in der Woche berappen.

Großen Zulauf haben die Ski-Gebiete in den französischen Hochalpen mit ihren Bettenburgen und dem Charme der High-Tech-Welt traditionell vor allem aus Frankreich selbst, sodann aus Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Aber gerade für die Wintersportler, die eine etwas weitere Anfahrt haben, soll die neue Seilbahn die Attraktivität steigern.

"Wenn jemand aus Australien oder Japan zum Skifahren nach Europa kommt, dann sucht er sich doch ein Gebiet mit besonders vielen Möglichkeiten aus", erklärt das Fremdenverkehrsbüro in La Plagne. "Wir bieten ab Weihnachten eines der größten Skigebiete der Welt." Soweit das bei den heutigen Klima-Veränderungen überhaupt noch gesagt werden könne, sei "Paradiski" zwischen Mitte Dezember und Ende April schneesicher.

La Plagne hat eine Kapazität von 50.000 Betten, Les Arcs mehr als 30.000. Hinzu kommt noch Peissey-Nancroix, das sich auf halber Strecke über das Ponturin-Tal erhebt, mit weiteren 10.000 Betten. Wenn alles reibungslos klappt, können mit den beiden Godeln des Vanoise-Express' pro Stunde 4.000 Menschen über das Tal gehievt werden.

Von Sicherheitsproblemen will Bernard Chanel, der Chef der Planungsgesellschaft in La Plagne, nichts wissen. Selbst wenn Seilbahnen auf Seitenwind reagierten, so hätten die Techniker der Firma Poma hier doch alle Risiken vorab gecheckt. "Die Seilbahn steht in einem Bereich, in dem es nur selten starken Wind gibt", sagt Chanel. In kurzen Abständen werden die Tragseile genauestens kontrolliert, auch auf Schäden durch Blitzeinschläge. (apa/red)

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    foto: paradiski
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