Weiße Weihnacht, grüne Piste

23. Dezember 2003, 20:26
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Schnee am "Heiligen Abend" in fast ganz Österreich - dennoch eine düstere Prognose für Skiorte - mit Grafik

Weiße Weihnachten versprechen die Meteorologen: In fast ganz Österreich dürfte es am 24. zumindest angezuckert sein. Eine düstere Prognose gibt es dagegen für Skiorte: Durch die Klimaverschiebung könnte manchen Regionen die Geschäftsgrundlage wegschmelzen.

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Das Weihnachtsfest braust wie ein mit hundert Rentieren bespannter Schlitten heran, und glaubt man den meteorologischen Prophezeiungen, wird es weiß sein. Was nicht nur Romantiker, sondern auch den Wintertourismus freut. Eine Freude, die allerdings bald vergehen könnte, warnt ein Experte.

"Aus heutiger Sicht", meldete am Dienstag die Zentralanstalt für Meteorologie, "sorgt ein von der Adria über die Alpen nordwärts reichendes Tief am Heiligen Abend verbreitet für Schneefall. Im Süden Österreichs können die Schneefälle sogar ergiebig ausfallen." Ein im ganzen Land schneeloses Weichnachten wie zuletzt im Jahr 2000 bleibt damit wohl erspart.

Teils heftige Verkehrsprobleme

Auch wenn zu X-Mas nichts Weißes von oben kommt - dass es an einem x-beliebigen Tag im Dezember schneit, ist nichts Ungewöhnliches. Dennoch scheint ein Teil der Autofahrer jedes Jahr aufs Neue davon überrascht zu sein. So auch am Dienstag und in der Nacht zuvor, als besonders in Niederösterreich Schneefahrbahnen und -verwehungen für teils heftige Probleme sorgten.

Besonders auf der Wiener Außenringautobahn (A21) blieben immer wieder Fahrzeuge hängen und mussten von den Feuerwehren wieder in Gang gesetzt oder abgeschleppt werden. Wobei Lenker teilweise zu waghalsigen Methoden griffen, um die unpassende Bereifung ihrer Autos auszugleichen: Die Einsatzkräfte beobachteten einen ungarischen Pkw, der sich mit eingeschalteter Warnblinkanlage bergwärts schob. Um mehr Gewicht auf die Hinterachse zu bekommen, saßen zwei Männer zur Beschwerung auf dem Kofferraum.

Düstere Prognose

Während die Automobilisten fluchen, frohlocken die Touristiker. Der Schnee der vergangenen Tage bürgt für zufriedene Skifahrer. Manchen alpinen Sportregionen könnte das Lachen aber vergehen, warnt der Grazer Wirtschaftsexperte Stefan Schleicher vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Graz. Die Schneegrenze verschiebe sich immer weiter nach oben, tiefer gelegene Gebiete sollten sich um andere Einnahmequellen umschauen.

"Der Wintersport in dieser Form hat beispielsweise im Ennstal auf Dauer keine Chance", ist Schleicher überzeugt. "Die sichere Schneedecke hat sich um 300 Meter in die Höhe verschoben, Langlaufbewerbe in den Tälern sind schon länger gestrichen worden, der Einsatz von Schneekanonen ist ökologisch eine äußerst heikle Sache", skizziert der Ökonom, der sich besonders mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt, ein recht düsteres Bild.

Als Alternative rät er zur Konzentration auf Wellnessangebote, hier sei der Markt in Österreich noch immer nicht ausgeschöpft. Langfristig sollte ein kontrollierter Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energie erfolgen. Auch in den Tourismusgebieten selbst plädiert Schleicher für verstärkten Einsatz von Biomasseanlagen, in denen meist Holzprodukte verheizt werden, was zusätzlich eine kostengünstige Entsorgung der Christbäume garantiert.

150.000 Nadelgehölze

Die gibt es seit dem vergangenen Wochenende wieder zu kaufen, alleine in Wien rechnet das Marktamt mit einem Angebot von rund 150.000 Stück Nadelgehölz.

Die Preise sind von Größe und Aussehen abhängig, zwischen vier und acht Euro kostet beispielsweise ein Laufmeter der gemeinen Fichte. Will man dagegen eine hübsch geschmückte Blaufichte im Wohnzimmer stehen haben, muss man schon zwischen sieben und 14 Euro zahlen. Und für die standesgemäße Tanne sind zehn bis 30 Euro abzulegen - pro Laufmeter, versteht sich. (APA, moe/DER STANDARD; Printausgabe, 17.12.2003)

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    Zwei der Grundbedingungen für romantische Weihnachten: Weiße Kristalle und ein grünes Gewächs. Heuer bestehen gute Chancen, dass beides da ist

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    Schneelage am 24. Dezember in den Jahren 1998-2002

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