Niederflur für Pendlerhoch

30. Dezember 2003, 19:00
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"Verkehrsdienstevertrag": 30 neue S-Bahn-Garnituren sollen den Pendler-GAU auf der Straße verhindern

Wien – Ein wenig, erklärte Ferdinand Schmidt, verunsichere ihn die Zufriedenheit von Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP). Aber, scherzte der ÖBB- Vorstandsdirektor Dienstagvormittag, auch wenn es ihm zu denken gebe, "wenn die Stadt sagt, dass das ein guter Vertrag ist", werde man das "Paket" nicht wieder aufschnüren.

Zähes Ringen

Wien und die Bahn verkündeten eine Einigung. Eine, der langes Verhandeln, wechselnde Ressortminister im Bund und manches – nun vergessene – bittere Wort vorausgegangen waren: Im Rahmen des nun abschlussreifen "Verkehrsdienstevertrages" zwischen Wien und den ÖBB soll es zu einer spürbaren Verbesserung und Attraktivierung des Schnellbahnbetriebes in und um Wien kommen: Bis 2007 werden von den ÖBB demnach 30 neue S-Bahn-Garnituren vom Typ "Talent" angeschafft. Intervalle der‑ S-Bahn sollen – und sind teils schon – verdichtet werden.

Das Land, erklärte Rieder, verpflichte sich deshalb, der Bahn für den Betrieb jährlich 4,3 Millionen Euro zu bezahlen. Die Anschaffung der lärmarmen und klimatisierten Niederflurgarnituren unterstützt Wien, indem 25 Jahre lang jährlich eine Million Euro zur Zinstilgung überwiesen wird. Damit solle, so Rieder, die Attraktivität der S-Bahn als "zweites aus dem Straßenverkehr entflochtenes Verkehrsmittel neben der U- Bahn" gesteigert werden.

"Modal Split" halten

Gerade im Hinblick auf auch im Zuge der Osterweiterung zu erwartende Verkehrsströme sei diese Qualitätsverbesserung dringend nötig, wolle man den Wiener "Modal Split" (die Aufteilung der Nutzung von Verkehrsmitteln) von derzeit 34 Prozent Öffi-Fahrten halten oder ausbauen. Intervallverdichtungen, die etwa auf der S80 seit 14. Dezember gelten, sind auch Teil des Vertrages. Der gelte im Übrigen rückwirkend für 2003 – und bis 2007.

Die ersten "Talente" sollen bis Ende 2004 unterwegs sein. Wenn bis Ende 2007 dann 30 Garnituren unterwegs sind, seien damit immerhin 40 Prozent des S-Bahn-Betriebes auf modernem Gerät unterwegs, gab sich Schmidt erfreut. Während der Verhandlungen war von einem Erneuerungsbedarf von 70 Garnituren die Rede gewesen.

Opposition spricht von magerem Ergebnis

Wenig glücklich zeigte sich die Opposition: Das Verhandlungsergebnis, so die ÖVP, sei "mager" und gehe zulasten der Pendler. Wien, so VP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl, leiste für die Sicherstellung der ÖBB-Verkehrsdienstleistungen einen geringeren Beitrag als etwa Niederösterreich, obwohl gerade die Pendlerproblematik immer mehr Einfluss auf das Verkehrsgeschehen habe. (DER STANDARD Printausgabe, 17.12.2003,red)

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