Wuppertal restituiert Gemälde aus jüdischem Besitz

19. Dezember 2003, 15:53
posten

Museumsdirektorin kritisiert Beschluss des Stadtrats als "voreilig"

Wuppertal - Die Stadt Wuppertal gibt drei Gemälde ihres Museums aus früherem jüdischen Besitz zurück. Dies hat am Montagabend der Rat der Stadt einstimmig beschlossen. Die drei im Städtischen Von der Heydt-Museum gezeigten Kunstwerke, die zwischen 1937 und 1939 aus dem Eigentum jüdischer Familien zwangsversteigert worden waren, sollen an die Erben zurückgehen. Wuppertals Museumsdirektorin Sabine Fehlemann nannte den Ratsbeschluss am Dienstag "voreilig". Angesichts "komplizierter Sachverhalte", auch was die Provenienz der Werke angehe, seien nun "vollendete Tatsachen" geschaffen worden.

Zwei Bilder, eine "Felsige Flusslandschaft" des Frankfurter Malers Otto Scholderer sowie das Gemälde "Tatar mit Pferd" von Hans von Marées, waren 1939 und 1948 von Galeristen erworben worden. Die Papierarbeit "Erinnerung vom Dampfboot auf der Donau" von Adolf von Menzel (1815-1905) war 1956 dem Wuppertaler Museum vom Mäzen Eduard von der Heydt geschenkt worden.

"Erwerb im guten Glauben kann ausgeschlossen werden"

Dass der Erwerb der "Flusslandschaft" des 1902 gestorbenen Malers Scholderer in einer Galerie 1939 "guten Glaubens geschah, kann auf Grund der zeitlichen Abfolge als ausgeschlossen betrachtet werden", befand der Wuppertaler Stadtrat. Möglicherweise könne die Stadt den Wert der Bilder einer als Erbe eingesetzten Stiftung erstatten und das Kunstwerk weiter im Museum behalten. Ein Verkauf des Menzel- Blattes an die Stadt werde von den Anspruchstellern abgelehnt, da sich bereits zwei Auktionshäuser interessiert gezeigt hätten.

Bei dem Marées-Gemälde habe zwar "kein rechtlicher Herausgabeanspruch" festgestellt werden können. Wegen der besonderen Tragik des Falles sei jedoch eine "freiwillige Rückgabe" an die Enkel der Vorbesitzer geboten. Die ursprünglichen Eigentümer, ein Ehepaar aus Frankfurt, waren nach erfolgloser Flucht in die Niederlande 1944 im KZ Bergen-Belsen ermordet worden. (APA/dpa)

Share if you care.