Österreich ist "overbanked"

1. Jänner 2004, 19:25
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Nationalbank sieht Handlungsbedarf: Ertragslage unter europäischem Durchschnitt

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) sieht bei den heimischen Kreditinstituten auch nach der deutlichen Verbesserung der Ertragslage in den ersten drei Quartalen 2003 weiteren Handlungsbedarf, um ihre Kostenstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern. Beim Verhältnis des Aufwandes zum Ertrag (CIR/cost-income-ratio) würden die österreichischen Banken "nicht wirklich" im europäischen Vorderfeld liegen, sagte OeNB-Direktoriumsmitglied Josef Christl bei der Präsentation des 6. Finanzmarktstabilitätsberichtes am Dienstag in Wien.

Die Ertragslage der österreichischen Banken liege im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt. Österreich sei noch immer "overbanked", es gebe also zu viele Zweigstellen, andererseits wies Christl auf die hohen bei den Banken anfallenden Kosten hin.

Günstige Kreditkonditionen

Dass die heimischen Banken international nicht zu den ertragsstärksten zählen, hängt für den Direktor der Analyse und Revision in der OeNB, Andreas Ittner, unter anderem auch mit den relativ günstigen Kreditkonditionen zusammen. Die Kosten - vor allem Personalkosten - müssten weiter im Griff behalten werden. Potenzial für Kostensenkungen sieht Ittner etwa bei den Zweigstellen, und zwar in der Form, dass die "Quadratmeter" auch für andere Erwerbszwecke zur Verfügung gestellt werden könnten.

In Summe haben die österreichischen Banken laut OeNB-Finanzmarktstabilitätsbericht des schwierige Jahr 2002 gut überwunden. Die Ertragslage konnte im laufenden Jahr wieder "deutlich verbessert" werden, so Christl. Das unkonsolidierte Betriebsergebnis der österreichischen Banken ist im dritten Quartal 2003 im Jahresvergleich um 7,4 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro gestiegen. Nach 4,7 Prozent und 6,4 Prozent in den ersten beiden Quartalen zeige sich somit eine sukzessive Verbesserung der Ertragssituation, so Christl.

Günstige Kostenstruktur

Auch die konsolidierten Ergebnisse, insbesondere unter Berücksichtigung der Tochterbanken in Zentral- und Osteuropa bestätigten diesen Trend. Ihr Beitrag zu den Ergebnissen ist überproportional: mit einem Bilanzsummenanteil von 11 Prozent liefern sie 31 Prozent des Periodenergebnisses ihrer Mütter ab. Für die gute Geschäftslage macht die OeNB die höheren Margen, die stärkere Preisdurchsetzungskraft und eine günstigere Kostenstruktur als in Österreich verantwortlich. (APA)

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