Und keine Frau weit und breit

13. Jänner 2004, 15:27
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Ohne den nie erlahmenden Enthüllungsdrang der Firma Fellner wüssten die Österreicher überhaupt nicht, worüber sie ...

... tagaus, tagein reden sollten. Den Gesprächsstoff, den NEWS in der vergangenen Woche lieferte, steuerte vor allem unser Leute-Teil bei. Dabei wurde die wahre Biographie des "Bachelors" enthüllt, die kein Opfer der ORF-Unterhaltung mit einem Intelligenzquotienten ab 50 überraschen konnte. Die amüsante NEWS-Story über seine wahren Vermögensverhältnisse ("Ich bin kein Millionär") und seine Dachwohnung im "Hotel Mama" sorgte nicht zuletzt in Deutschland für Erheiterung. Amüsanter Beweis: Siehe "Bild"-Faksimile.

Die Deutschen sind eben ein leicht zu erheiterndes Völkchen. Um in Österreich zu erheitern, musste "NEWS" schon mit schwereren Enthüllungsgeschützen auffahren: Der echte Bachelor. Und es hat sich gelohnt: Überall stieß die Story über die private Trennung von Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf Interesse. Mancherorts sogar auf mehr: Die NEWS-Geschichte über die Trennung von Grasser und Sumper detonierte vergangene Woche mit Getöse in der Society. Damit das Getöse nicht allzu rasch verhalle, wurde die Trennung von Grasser und Sumper in der nächsten Nummer weitergezogen und wird uns wohl so lange begleiten, bis der echte Bachelor vielleicht doch einmal unter die Haube kommt: So lief sein Start ins Singleleben.

Die einen verkrümeln sich nach einer Trennung traurig im plötzlich viel zu großen Eigenheim. Andere treibt es hinaus in die Nacht. Oder noch schlimmer - hinein in den ÖVP-Vorstand. Das Verkrümelmonster aus der Himmelpfortgasse verzog sich alsbald in das heimatliche Kärnten. So feierte er an diesem Wochenende Comeback im Singleleben. Freitagnacht startete er beim inoffiziellen Part der Jubelsause zu Klammers Fünfziger beim "Poldi-Wirt" in St. Oswald bei Bad Kleinkirchheim.

Bis fünf Uhr früh ließ er den Jubilar hochleben, und keine Frau weit und breit. Dann zog es ihn mit dem ebenfalls ehemals Blauen Walter Meischberger weiter zum Apr`es bis acht. Samstagabend stand Ausschlafen auf dem Plan, Sonntag aber schon Hansi Hinterseers Saisonschluss-Gaudi im Wiener "Schreiberhaus". Wieder ohne Frau.

Das kann doch kein Zufall sein! Aber "NEWS" erweist sich als verständnisvoll: Das mickrige bisschen Spaß hat sich der Finanzminister nach den privaten und politischen Strapazen redlich verdient. Vor allem redlich. Das knickrige bisschen Spaß vor seiner Homepage kann doch einen Mann auf Dauer nicht fesseln - keine Frau weit und breit reicht da nicht aus, mag es noch so redlich verdient sein.

Doch plötzlich: Plötzlich gab es mehr Dementis als Gerüchte. Kein Wunder, bei so viel Demenz. Zur Erinnerung: NEWS zitierte Tratschgeschichten, wonach der Herr Finanzminister des Öfteren mit einer langhaarig-hübschen Brünetten gesehen worden sei. Da fackelt "NEWS" nicht lange und zitiert auch die Tratschdementis. Eine Brünette hinterließ unaufgefordert ihre spitze Entgegnung, "definitiv kein Verhältnis mit dem Minister" zu haben, auf der NEWS-Mobilbox. Normalerweise wäre sie von "NEWS" aufgefordert worden.

Eine andere - von NEWS gleichfalls nie gefragt oder verdächtigt (die Zurückhaltung des Magazins ist legendär) - schickte eine E-Mail: "Ich komme nicht umhin, mit Genugtuung und einem feixenden Grinsen festzustellen, dass das KH-Gerücht im Artikel brünett ist - ich war noch selten im Leben so froh, blond zu sein.

Der Frohsinn hatte handfeste Gründe. Ich bin geschieden, die Kinder sind bei mir, und mein Mann zahlt Unterhalt, was er im Falle meines Verschuldens - etwa durch ein Verhältnis - nicht müsste. Damit der Mann auch weiß, wem er weiterhin Unterhalt zahlen muss, endet das elektronische Poststück wie folgt: Mit freundlichen Grüßen, Claudia Ebenberger (vorm. Stix)." Und damit sich nicht plötzlich mehrere Stixe mit einem feixenden Grinsen drängen, für den Unterhalt von Frau E. aufzukommen, hilft "NEWS" aus. Claudia Ebenberger - zur Erklärung - ist seit einem Jahr geschieden von Rüdiger Stix, einem ebenfalls früher blauen und heute schwarzen Kollegen Grassers.

Das erklärt immerhin, warum die Dame blond ist. Aber auch brünett hätte sie froh bleiben können. Warum sollten Ehrenmänner, die schon den Unterhalt der KH-Homepage bestreiten, beim Unterhalt für ein KH-Gerücht auf einmal kleinlich sein?

Aber es hat nicht sollen sein. Dabei, so wird der engste Freundeskreis des Neo-Singles nicht müde zu behaupten, sei die Langzeitbeziehung des 34-Jährigen mit der Anwältin an nichts anderem zugrunde gegangen als am Zeitdefizit: zu oft einsam, zu selten gemeinsam. Wäre der Neo-Single das, wofür er sich ausgibt, hätte er das Zeitdefizit längst in ein Nulldefizit verwandelt. Und wenn er die Anwältin dafür - endlich gemeinsam! - in den ÖVP-Vorstand mitgezogen hätte.

Sie, mit 32 Jahren in der offenbaren Endloswarteschleife auf Ehe und Kinder. Er ohne jegliche Eile in dieser Absicht: "Ich liebe Kinder. Will sie aber erst nach der Politik." Also auf dieses Weilchen wäre es auch nicht mehr angekommen. (DER STANDARD; Printausgabe, 16.12.2003)

Von Günter Traxler
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    foto: orf/derstandard.at
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