Ich denk', ich bin im Kino

19. Juli 2004, 14:19
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"B-Picture" - eine Ausstellung als Film

Bregenz - So mancher Kinogänger steht etwas ratlos im Foyer des Palais Thurn und Taxis zu Bregenz. Denn das Werk, das auf dem Plakat wie ein Film angekündigt wird, entpuppt sich vor Ort als Ausstellung, die wie ein Film konzipiert und produziert wurde: B-Picture, ein Film über Peter Weibel von Markus Huemer, nach einem Treatment von Peter Weibel, Produktion: Wilhelm Meusburger.

Auf der Rückseite des Plakats klärt Weibel die enttäuschten Cineasten auf: "Seit einigen Jahren wird im Betriebssystem Kunst gelegentlich die Produktion einer Ausstellung mit der Produktion eines Films verglichen." Diese Metapher soll überprüft werden: "Man mag sich vielleicht die Welt imaginieren, als sei sie ein Film von einem einzigen Autor (. . .), aber die Filme Hollywoods sind erkennbar Produkte einer kollektiven Industrie. Analog dazu werden auch im Kunstbetrieb Werke personalisiert, mit Signaturen versehen, die durchaus keine Einzelleistungen darstellen. (. . .) Die Ausstellung hat also das Ziel, in obskure Ideen der Autorenschaft das Licht der Transparenz zu bringen."

In der Praxis sieht das so aus: Vierzehn Tage vor Ausstellungsbeginn schickte der "Autor" sein "Treatment" in Form von 50 A4-Blättern nach Bregenz, darauf sparsame Skizzen und/oder Notizen, jede mit "PW" signiert. Die vagen Anweisungen, etwa: "Bild als Handlungsform Spiegel Silberfolie Krawatte Schal", wurden vom "Regisseur" in ein "Drehbuch" umgesetzt, das wiederum nur aus wenigen Kohlestrichen auf A2-Bögen besteht. Entsprechend dieser Vorlage "drehte" der "Produzent" die Ausstellung in nur zwei Tagen ab.

Willi Meusburger: "Produktionstage kosten Geld." Und Geld ist knapp. So verwendete er ausschließlich Gegenstände, die Keller, Dachboden und der 70-Cent-Shop hergaben. So wurde etwa im Foyer eine gefundene Silberfolie auf eine vorhandene Spanplatte genagelt. Daran: ein gelber Schal und eine Plüschkrawatte, gespendet vom "Produzenten".

Weitere (Film-)Sequenz: ein weißes Brett, von Weibel signiert, an das alle Besprechungen von B-Picture, heute Nachmittag also auch die vorliegende Rezension, geheftet werden. Die 50 Skizzen, das Drehbuch und die rund 50 realisierten Szenen bilden zusammen die Ausstellung, die nach Abschluss aber keinesfalls aufgelöst, sondern eingelagert wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2003)

Von
Michael Heinzel

Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis
Gallusstraße 10
Bregenz
bis 4. Januar
Di-Sa 14-18
So/Fei 10-12, 14-18

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