Salmonellen-Deal: Geschäfte am See

16. Dezember 2003, 19:28
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Im Klagenfurter "Salmonellen-Skandal" hat man sich auf einen Vergleich geeinigt

Klagenfurt – Zwanzig Jahre lang hatten die Klagenfurter Stadtwerke und der Gastronom und Strandbad-Betreiber Leopold Tischler gemeinsam gutes Geld verdient. Die berüchtigte "Salmonellen-Affäre" vom Sommer dieses Jahres hat diese Partnerschaft jetzt freilich endgültig beendet: mit einem Vergleich zu beiderseitigem Nutzen. Der sieht laut Stadtwerke-Direktor Rudolf Peck so aus: Tischler akzeptiert die Vertragskündigung und geht mit Ende des Jahres, die Stadtwerke lösen ihm dafür die gesamte Betriebsausstattung ab.

Wie hoch die Ablösesumme ist, wollte allerdings keiner der Beteiligten sagen. Im August hatten die Stadtwerke einseitig den Pachtvertrag mit Tischler gekündigt. Mit der Begründung eines kolossalen Imageschadens für die Stadtwerke. Der Gastronom erhob jedoch Einspruch, die Causa landete bei Gericht. Infolge der unklaren Beweislage hätte allerdings ein jahrelanges Verfahren gedroht. Also einigte man sich auf den Vergleichsvorschlag von Mietenrichter Oskar Tonkli.

"Salmonellen-Affäre"

Betroffen von der Kündigung sind vier Tischlerbetriebe: zwei im Strandbad, ein kleines Lebensmittelgeschäft, sowie ein Kiosk am Campingplatz.

Die "Salmonellen-Affäre", bei der von 134 Opfern die Rede gewesen war – einige Menschen erkrankten schwer – hatte im Sommer die Emotionen hochgehen lassen.

Die Infektion hatte am 8. Juli in Tischlers Strandbad-Lokal ihren Ausgang genommen. Vom ersten Verdacht bis zum endgültigen Schließen des Betriebes verstrichen Wochen. Und das, obwohl ein magistratsinterner Prüfbericht schwere Hygienemängel in der Küche festgestellt hatte, die offenbar auch nach einer Desinfektion, die Tischler selbst veranlasste, nicht beseitigt wurden.

Daraufhin musste der Leiter des Klagenfurter Marktamtes, dem Versäumnisse bei der Aufklärung des Salmonellen- Skandals vorgeworfen wurden, den Hut nehmen. Wie die Salmonellen allerdings in diesem extrem heißen Sommer tatsächlich in Tischlers Küche gelangt waren, konnte von der Staatsanwaltschaft bis heute nicht restlos geklärt werden. Schadenersatzansprüche stehen daher noch aus.

Die Stadtwerke werden die Strandbad-Betriebe nun selbst weiterführen. (stein, Der Standard, Printausgabe, 16.12.2003)

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