Krise im deutschen Zeitungsmarkt - Experten erwarten Fusionswelle

22. Dezember 2003, 11:29
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Neun von zehn Verlagen rechnen mit weiterer Konzentration am Markt

Die Krise in der deutschen Zeitungsbranche wird einer Untersuchung zufolge andauern und zu weiteren Fusionen führen. Auch bei einem Anziehen der Konjunktur werde sich das Rubrikengeschäft (Stellen-, Immobilien- und Automarkt) wegen der Internet-Konkurrenz nicht nachhaltig erholen, heißt es in einer am Montag in Frankfurt vorgestellten Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young. Die erwartete Welle von Fusionen und Übernahmen werde durch die schwache Marktstellung kleinerer Zeitungen und die angespannte Finanzlage vieler Verlage begünstigt.

Neun von zehn Verlagen rechnen mit weiterer Konzentration am Markt

Von 100 deutschen Verlagen, die in der Studie befragt wurden, gehen fast 90 Prozent von einer Fortsetzung der Pressekonzentration in den kommenden Jahren aus. Allerdings beteiligten sich an den im August geführten telefonischen Interviews überwiegend (63 Prozent) kleinere Verlage mit einer Auflage unter 50.000 Exemplaren.

Die Studie verweist darauf, dass der Umfang der Zeitungsanzeigen in den ersten acht Monaten des Jahres 2003 erneut um acht Prozent rückläufig sei, im Rubrikengeschäft um 17 Prozent. Laut Umfrage wollen 94 Prozent der Verlage ihre Kosten weiter senken. 64 Prozent denken auch an einen weiteren Abbau im Redaktionsbereich. Als Chance der Krise werden von den Zeitungen neben der Kostendisziplin die Möglichkeit der Kooperationen und die Stärkung der lokalen Berichterstattung gesehen.

"Intelligente Verknüpfung" von Print- und Online-Angebot

Neben der Anzeigenkonkurrenz durch das Internet zählt die Studie die geänderte Mediennutzung - junge Menschen lesen weniger und nutzen öfter das Internet - sowie die Finanzierungskrise kleinerer Verlage zu den strukturellen Problemen. Die sich abzeichnende Lockerung der Pressefusionskontrolle werde mittelfristig den Zeitungsmarkt auch für Finanzinvestoren aus dem Ausland interessant machen, sagt die Untersuchung voraus.

Bei den Investitionen im Internet-Bereich geben 61 Prozent der Verlage in der Umfrage an, ihre Angebote 2004 konstant zu halten. 18 Prozent wollen dort ihre Kosten senken. Die Untersuchung empfiehlt den Verlagen eine "intelligente Verknüpfung" von Print- und Online-Angebot sowohl im redaktionellen wie im Anzeigenbereich. Profitabel könne der Online-Rubrikenmarkt jedoch nur für größere Zeitungen werden.

Eine weitere Möglichkeit für die Verlage sei, im Rubrikenmarkt Online-Plattformen "zurückzukaufen". Allerdings seien die Verlage dabei hinter der Konkurrenz, erklärte Ernst & Young unter Hinweis auf den Kauf des führenden Online-Marktplatzes Scout24 durch T-Online vor wenigen Tagen. Der Internet-Anbieter hat für Scout24.180 Mio. Euro bezahlt. (APA/dpa)

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