Schweiz: Demonstration gegen Männerdominanz in neuer Regierung

15. Dezember 2003, 17:18
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Mehr als 12.000 Kundgebungs- TeilnehmerInnen versammelten sich am Wochenende in Bern

Bern - Die Männerdominanz im neu gewählten Schweizer Bundesrat (Regierung) hat am Wochenende zwischen 12.000 und 15.000 Frauen und Männer zur Kundgebung in Bern mobilisiert. Auch in den Frauenorganisationen der bürgerlichen Parteien regt sich neuer Kampfesmut. Nicht nur junge und linke Frauen standen am Samstagnachmittag dicht gedrängt auf dem Berner Waisenhausplatz. Es waren auch viele Frauen und Männer unter den Demonstrierenden, die sich selbst als bürgerlich bezeichneten. Dialekte aus allen Landesgegenden waren zu hören.

"Frauen mit Herz - statt Blocher mit Merz"

Viele der Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren mit Trillerpfeifen und roten Ballonen ausgerüstet. Die Transparente trugen Aufschriften wie "Wir sind wütend - wir kämpfen weiter", "Frauen mit Herz - statt Blocher mit Merz" oder "Wir lassen uns nicht wegBLOCHERn und auch nicht ausMERZen".

Der lautstarke, aber friedliche Demonstrationszug kam anfangs nur schleppend in Gang. Als Nadelöhr entpuppte sich der mit dem Weihnachtsmarkt belegte Bärenplatz. Dort kamen die 12.000 (Polizeiangabe) bis 15.000 (Angabe der Organisatoren) nur schwer zum wegen Bauarbeiten gesperrten Bundesplatz voran.

In sicherer Distanz zum Machtzentrum, am polizeilich abgeriegelten Bundeshaus, marschierten auch die mit Sprechchören und Transparenten aufgebrachtesten Frauen völlig friedlich vorbei. Zum Schluss der Kundgebung sprachen Frauen verschiedenster Couleur zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Kundgebung "einzelner Chaoten und Linker"

In Anspielung auf den neu gewählten Christoph Blocher, der die Spontankundgebung am Tag der Wahl als eine Meinungsäußerung von "einzelnen Chaoten und Linken" abgetan hatte, sagte SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot: "Hier stehen nun also 15.000 Chaoten und Chaotinnen." Für die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher gibt "die neue Bundesratsmännerrunde ein nicht mehr zeitgemäßes Hodler-Bild aus dem 19. Jahrhundert ab". Eine Vertreterin der CVP sagte, viele bürgerliche Frauen hätten den Mut gefunden und würden zum ersten Mal an einer Demonstration teilnehmen.

Chance auf eine überparteiliche Frauenbewegung

Die Präsidentinnen der FDP- und der CVP-Frauen sehen denn auch Chancen für eine neue überparteiliche Frauenbewegung, wie sie am Wochenende gegenüber Medien sagten. Ida Glanzmann, Präsidentin der CVP-Frauen, kündigte in der "Samstagsrundschau" von Schweizer Radio DRS an, dass sie den Kontakt zu Frauen in anderen Parteien suche. So lange die Frauen nicht erreicht hätten, dass ihre Kompetenzen nicht anerkannt würden, brauche es Solidarität, sagte Marianne Dürst, Präsidentin der FDP-Frauen, in einem in der "NZZ am Sonntag" erschienenen Interview. Beide übten Selbstkritik. Es habe nicht geklappt, die Frauenfrage vor der Wahl öffentlich zu thematisieren. (APA/sda)

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