"In America": Intensität – oft nur eine Behauptung

19. Juli 2004, 11:39
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Jim Sheridans Familiendrama "In America" jetzt in den heimischen Kinos

Wien - Eine irische Kleinfamilie gelangt Anfang der 80er-Jahre mit Touristenvisa in die USA. Der Vater (Paddy Considine - zuletzt auch in Musikvideos von Coldplay und Moloko zu sehen) ist Schauspieler, die Mutter (Samantha Morton) Lehrerin. Aber, wie Christy (Sarah Bolger), die ältere der beiden Töchter in ihrem Off-Kommentar festhält, bekommt sie nur einen Job in einem Eissalon.

Der Vater steuert zwischen erfolglosen Vorsprechterminen als Taxifahrer das Seine zum schmalen Einkommen bei. Abgesehen von der materiellen Notlage lastet der Tod des kleinen Sohnes auf der Familie - für Christy ist er eine Art Schutzengel geworden, während Trauer und Schuldgefühle die Beziehung ihrer Eltern zunehmend belasten.

Regisseur Jim Sheridan (In the Name of The Father), der mit In America eigene Erfahrungen verarbeitet, gibt diesem Aspekt zunehmend mehr Raum und den Akteuren damit immer wieder Gelegenheit für emotionale Performances (Stichwort: Method-Acting) - die Intensität bleibt allerdings eine behauptete.

Ein anfangs unheimlicher, sich jedoch als Menschenfreund entpuppender Nachbar (Djimon Hounsou) wird in diesem Zusammenhang - und mit viel inszenatorischem Getöse - zum geheimnisvollen Mediator eines Neubeginns. Worin aber nun das Spezifische der New-York-Erfahrung liegt, bleibt eher vage - zumal die deutsche Fassung sprachliche Unterschiede einebnet.

Okay, im Sommer zeigt das Barometer für Briten kaum zu ertragende Temperaturen an. In der katholischen Mädchenschule finden die selbst gebastelten Halloween-Kostüme der Schwestern gegenüber den gekauften ihrer Mitschülerinnen wenig Anklang. Und ein unumgänglicher Krankenhausaufenthalt schlägt sich in den USA sofort in horrenden Rechnungen nieder.

Einige der anrührendsten Momente von In America sind letztlich der Musikgeschichte entlehnt: Do You Believe in Magic schallt bei der Einfahrt in die Sehnsuchtsstadt laut aus dem Autoradio. Und wenn Christy auf der Schulbühne Desperado zum Besten gibt, dann wird das Langley Schools Music Project zitiert, für das ein kanadischer Lehrer mit seinen Schülerinnen und Schülern Mitte der 70er-Jahre herzergreifende Versionen von Rock- und Pop-Klassikern erarbeitete. Es bleibt hier also weniger eine Film- denn eine Musikempfehlung ... (Isabella Reicher/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 12. 2003)

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    foto: centfox
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