"Gold hat eine fantastische Kraft"

1. Jänner 2004, 19:25
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Der Bullenmarkt beim Gold beginnt erst jetzt, sagt der prominente Manager der Gold- und Minenfonds von Merrill Lynch, Evy Hambro, im STANDARD- Gespräch

Der Merrill Lynch World Gold Fund, weltgrößtes Flaggschiff mit 1,7 Milliarden Dollar Anlagevolumen, hat seinen Anlegern in den vergangenen fünf Jahren rund 260 Prozent Performance auf Dollarbasis gebracht. Rückgerechnet auf ein Jahr sind es derzeit fast 70 Prozent. Der Fonds investiert in Goldminenaktien und Titel, die mit der Minenindustrie in Beziehung stehen. Fondsmanager Evy Hambro kann sich über mangelnde Prominenz daher nicht beklagen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sein World Mining Fund, der in Minenaktien und Metallunternehmen weltweit anlegt, ähnlich hohe Erträge erwirtschaftet hat.


STANDARD: Goldminenaktien haben enorme Kursgewinne gesehen, kleinere Titel haben sich teilweise verhundertfacht. Ist aus der Gold-Story jetzt nicht bald die Luft draußen - oder anders: Was gibt der Goldpreis noch her?


Hambro:Der Goldpreis wird sich zwar volatil verhalten, aber es gibt nur eine Richtung - der Bullenmarkt beginnt erst jetzt. Gold ist viel mehr als der so genannte sichere Hafen.

STANDARD: Mit welchen Preiszielen für Gold rechnen Sie?


Hambro: Wir errechnen keine Preisziele, das interessiert uns auch nicht. Uns interessiert die Geschichte dahinter - und der Trend. Und der ist klar.


STANDARD:Was macht Sie da so sicher? Versucht die Investmentindustrie nicht vielleicht erst jetzt, auf einem Höhepunkt, noch recht viel Kleinanlegergeld zu sammeln?


Hambro: Gold hat einfach eine fantastische Kraft im Hintergrund. Was uns von vergangenen Gold-Haussen jetzt unterscheidet, ist, dass alle Faktoren stimmen: das Angebot und die Nachfrage. Die Minenindustrie produziert weltweit weniger als jemals zuvor, gleichzeitig boomt die Nachfrage. Private in den USA beginnen jetzt erst nach den schmerzlichen Erfahrungen der Aktienbaisse Goldbarren und Bullions zu kaufen. Über neue Produkte wie Exchange Traded Funds beginnen Institutionelle wie etwa Pensionsfonds erst jetzt Gold ins Portfolio zu nehmen. Damit öffnet sich der Goldmarkt dem großen Geld. Auf der Angebotsseite sind die Minengesellschaften weltweit nach einer harten Konsolidierungswelle jetzt besser aufgestellt. Und sie beginnen jetzt, ihre riesigen Short-Positionen (Terminkontrakte) zu schließen, weil dieses Hedging jetzt negativ gesehen wird. Aktionäre wollen das nicht. Short-Positionen schließen können die Gesellschaften nur, indem sie Gold kaufen. Das treibt den Preis. Dazu kommt, dass die Liberalisierung in China erst startet und die Nachfrage nach sämtlichen Rohstoffen in China enorm ansteigen wird. Gleichzeitig wird das Angebot aber nicht wesentlich steigen können. Die Minengesellschaften haben kaum investiert und wachsen, indem sie Mitbewerber übernehmen, also Markt zukaufen, nicht indem sie die Produktion erhöhen.



STANDARD: Alle Goldfondsmanager argumentieren mit der asiatischen Nachfrage. Wie lange kann dieser Boom denn anhalten?


Hambro: Der Aufbau der Infrastruktur in China wird sich über die kommenden 20 Jahre ziehen. Das schafft eine riesige, beständige Nachfrage. Auch etwa nach Kupfer, das ich stark übergewichtet habe. Aber auch die private Nachfrage aus diesem Raum beginnt erst. Bis jetzt mussten Private in China beim Goldkauf ja den Spotpreis zahlen und 25 Prozent der Regierung zusätzlich abliefern. Beim Verkaufen hat sich die Regierung 25 Prozent vom Marktpreis geholt. Trotz dieser Barrieren war China aber schon bis jetzt der weltweit viertgrößte Abnehmer für Gold.



STANDARD: Goldverkäufer der Notenbanken nach dem Ablaufen des Washingtoner Abkommens, das die Goldverkäufe limitiert, im kommenden Jahr machen Ihnen keine Sorgen? Da kommt ja Material auf den Markt.


Hambro: Nein, denn das Abkommen wird verlängert werden. Auch wenn statt 400 Tonnen dann 600 von den Notenbanken kommen, wird das keine Auswirkung haben.


STANDARD: Große Investoren wie Warren Buffet setzen stark auf Silber. Sie auch?


Hambro: Silber interessiert mich nicht, ich glaube nicht an eine fundamentale Story.



STANDARD: Südafrika war in puncto Minenaktien wegen des so stark gestiegenen Rand keine sprudelnde Geldquelle für Ihre Branche. Was erwarten Sie von der südafrikanischen Währung?


Hambro: Der Rand ist stark überbewertet - er wird auf seine alten Niveaus zurückkommen, mittelfristig auf 8,50 zum Dollar. Ich baue die südafrikanischen Positionen jetzt wieder aus.

STANDARD: Gewinne, die auf Dollarbasis so fantastisch ausschauen, sind für Anleger, die ihr Geld in Euro verdienen und mit dem Dollarverfall konfrontiert sind, ja wesentlich schmäler. Wo sehen Sie denn den Euro zum Dollar?
Hambro: Merrill Lynch prognostiziert den Euro mit 1,44 zum Dollar. Das ist toll für Gold. Außerdem braucht Amerika einen starken Goldpreis, um den Dollar zu devaluieren. Aber Sie können den Goldfonds ja auch in Euro gehedgt kaufen und nicht bloß in Dollar. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 15.12.2003)

Evy Hambro studierte an der Newcastle University und hat einen Bachelor of Science mit Auszeichnung in Marketing. Er kam 1994 zum Natural Resources Team von Merrill Lynch und arbeitete für die Investment Managers zuerst in Australien und Kanada. Seit 1997 verwaltet er den MLIIF World Mining Fund und ist Co-Manager des MLIIF World Gold Fund. Die hochriskanten Fonds wurden von mehreren Ratinggesellschaften ausgezeichnet. Dazu hat er verschiedene Spezialmandate im Rohstoff- bereich.
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    "Was uns von vergangenen Gold-Haussen jetzt unterscheidet, ist, dass alle Faktoren stimmen: das Angebot und die Nachfrage "

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