Porträt: Saddam Hussein - Das Ende eines Diktators

14. Dezember 2003, 14:35
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Seit 1979 war er an der Macht - Sein Land hielt er durch brutale Schreckensherrschaft und ein ausgeklügeltes Clanwesen fest im Griff

Bagdad - Neben Osama bin Laden war er der meistgesuchte Mann der Welt: 25 Millionen Dollar (20,4 Millionen Euro) Kopfgeld hatten die USA auf Saddam Hussein ausgeschrieben. In der Nacht auf Sonntag wurde der einstige Alleinherrscher des Irak nun gefasst. Nach Monaten fieberhafter Suche, in denen der Ex-Präsident wie zum Spott seiner Verfolger immer wieder über Tonbänder aus dem Untergrund das Wort an seine Anhänger richtete, machten US-Truppen den 66-Jährigen nun in seiner Heimatstadt Tikrit dingfest. Die jahrzehntelange Ära des Machthabers Saddam Hussein geht damit endgültig zu Ende.

24 Jahre an der Macht

Seit 1979 hatte Saddam Hussein die Fäden im Irak fest in der Hand gehalten und in den 24 Jahren seiner Herrschaft ein engmaschiges Netz der Macht und Kontrolle über das Land gesponnen. Als Sohn einer armen sunnitischen Bauernfamilie in der Nähe von Tikrit etwa 150 Kilometer nördlich von Bagdad geboren, wuchs er als Halbwaise bei einem Onkel auf. Mit 20 Jahren trat er der Baath-Partei bei, wo er von Beginn an als besonders verwegen und rücksichtslos galt.

Nachdem er sich 1959 an einem gescheiterten Putschversuch beteiligt hatte, ging der Jungrevolutionär für vier Jahre ins Exil nach Kairo. Als die Baath-Partei sich 1968 an die Macht putschte, bekam Saddam Hussein seine große Chance: 1969 stieg er zum Vizepräsidenten auf - und der Irak bekam einen Vorgeschmack auf seinen späteren Herrscher.

Systematische Gewalt

Mit systematischer Gewalt machte Saddam Hussein schon als Vizepräsident die Opposition mundtot. Das Land unterwarf er einem straff organisierten Geheimdienstapparat. Als der damalige Präsident Ahmed Hassan el Bakr im Juli 1979 aus Gesundheitsgründen abtrat, rückte Saddam Hussein an die Staatsspitze - und zurrte seinen Machtapparat endgültig fest. Hunderte Partei- und Regierungsfunktionäre ließ der neue Staatschef innerhalb weniger Wochen hinrichten. Die Schlüsselpositionen wurden mit treuen Gefolgsleuten besetzt, die er häufig in der eigenen Verwandtschaft rekrutierte.

In den Jahrzehnten seiner Herrschaft führte Saddam Hussein den Irak wiederholt an den Rand des Abgrunds. 1980 griff er das Nachbarland Iran an. In dem achtjährigen Krieg starben hunderttausende Menschen. 1990 ließ er Kuwait besetzen. Dass seine Truppen nur wenige Monate später durch die USA aus dem Golfstaat vertrieben wurden, konnte dem Machthaber von Bagdad nichts anhaben: Er hielt sich an der Spitze, obwohl seine Regierung durch internationale Sanktionen isoliert, die Wirtschaft ruiniert wurde.

Sein Land hielt Saddam Hussein durch eine brutale Schreckensherrschaft und ein ausgeklügeltes Clanwesen fest im Griff. Sämtliche Schlüsselstellungen im Sicherheitsapparat, in den Medien, Provinz- und Stadtverwaltungen waren mit Mitgliedern des Präsidentenclans besetzt. Alle wichtigen Ämter bekleidete Saddam Hussein selbst: Er war Präsident, Regierungschef, Chef des Revolutionären Kommandorats, Oberkommandierender der Streitkräfte, und Vorsitzender der Baath-Partei. Seine wegen ihrer Brutalität verschrieenen Söhne Udai und Kusai kontrollierten unter anderen den Sicherheitsdienst des Präsidenten, die Geheimdienste und die Fedajin-Milizen.

Widerstand niedergeschlagen

Jeglicher Widerstand wurde brutal niedergeschlagen. Im März 1988 ließ die Führung in Bagdad die kurdische Stadt Halabja mit Giftgas bombardieren. Tausende Menschen kamen ums Leben. Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge wurden im irakischen Kurdengebiet während der Herrschaft Saddam Husseins rund 100.000 Menschen getötet und verschleppt. Auch die Schiiten im Süden des Irak bekamen die eiserne Faust aus Bagdad zu spüren: Als sie sich nach dem Golfkrieg 1991 gegen die Baath-Herrschaft auflehnten, wurde die Erhebung mit aller Gewalt niedergeschlagen. Mehrere tausend Menschen wurden getötet.

Erst mit dem Einmarsch der US-Truppen im März gab es für Saddam Hussein kein Halten mehr. Schon kurz nach Beginn der Offensive tauchte er in den Untergrund ab, von wo aus er aber zunächst weiter die Fäden zog. Nachdem seine Söhne Udai und Kusai im Juli bei einer US-Offensive getötet wurden, hatte es geheißen, damit werde auch das Ende Saddam Husseins eingeleitet. Fünf Monate später bewahrheitete sich die Vorhersage. (APA)

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    Saddam Hussein

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