...MARSTHEATER...SPRACH ROHR...LETZTE TAGE...

13. Dezember 2003, 01:37
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Das ist eine Montage aus einer Montage. Wie Karl Kraus ging auch Elfriede Jelinek in ihrer "Bambiland"-Prosa von Material in den Medien aus

Das ist eine Montage aus einer Montage. Wie Karl Kraus ging auch Elfriede Jelinek in ihrer "Bambiland"-Prosa von Material in den Medien aus und montierte daraus ihren Text.
Anders als Kraus in Die letzten Tage der Menschheit ist dieser aber nicht in Dialoge aufgespalten. Das macht erst jetzt die Theateraufführung. Nur in Hinblick auf diese ist es gerechtfertigt, auch in dieser Montage aus einer Montage hier Zeitungsmeldungen, die zum Text wurden, neu zu "faken". In diese "Meldungen" eingeschleust und sie damit unterwandernd wird aber immer die Stimme der Autorin: das "Unreine", Holprige, ironisch Unterhöhlende, das die Glätte von Erklärungen und Pressekonferenzen ins Stocken bringt. - Mit Ausnahme der Überschriften in den Meldungs-Fakes handelt es sich um Originalzitate aus dem "Bambiland"-Text (jeweils durch Anführungszeichen gekennzeichnet). (rire)/

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US-Außenministerin vor UNO-Generalversammlung

New York - Am Tag nach Kriegsbeginn gab US-Außenministerin Madeleine Allbright alias "Allright" vor der UNO-Generalversammlung folgende Erklärung ab: "Schauen Sie, das ist im Prinzip so, und nur wir haben echt Prinzipien: Wir sind das einzige Land, wo der einzelne Mensch noch wichtig ist, weil jeder der einzige ist. Es geht nicht anders. Vertrauen Sie sich uns an! Nur die Länder werden von unserer Staatengemeinschaft anerkannt, die eine Gemeinschaft ist, weil zwei schon eine Gemeinschaft sind. Drei wären schon ein Land zuviel. Gut. Australien nehmen wir noch dazu. Als erstes werden aber die USA und die Briten als Gemeinschaft anerkannt. Es ist absolut ungerecht zu behaupten, wir machten mit diesem Krieg unsere Profite, weil wir nämlich auch mit vielen andren Kriegen unsere Profite machen. Der Aufbau ist schließlich das wichtigste überhaupt. Aber bevor man aufbaut, muss man halt das Unheil lastend und schwer für den Gegner machen, bis er zerbricht, bis alles zerbricht und fortgerafft wird, damit wir was Neues anschaffen können. Die wollen das nicht einsehn, die Sandneger. Stehen wie ein Mann auf und sind nicht einmal Männer. Wer uns liebt, der folge uns nach. Wieso folgt uns dann keiner? Volk, stampfend zu Fuß ziehend, rüber zu unseren Reihen, zu denen selbstverständlich jeder gehören möchte, der noch einen Funken Grips hat. Das würde sich eigentlich so gehören, oder. Wieso folgen nur wir uns selbst? Wieso folgen sie uns nicht? Wir sind doch die Guten. Wir schreiten und schreiten, sogar über beider Erden Steilwand, über Kontinente hinweg, über Inkontinente hinweg, autsch, über Kinder hinweg, über Greise hinweg, über Frauen hinweg, über Selbstgänger hinweg, über Gelähmte hinweg. Über Blindgänger sowieso." (Bambiland-ALBUMM/ DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.12.2003)

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