Unbekanntes teures Flugobjekt auf der Augustinerbastei gelandet

11. Dezember 2003, 20:47
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Hans Holleins Albertina-Rampen Entwurf war 2001 der einzige Entwurf der im Budget- und Zeitrahmen lag - doch nichts davon wurde eingehalten

Wien - Es hatte seine Gründe, warum gerade Hans Hollein im April 2001 den geladenen Wettbewerb um die Gestaltung der Albertina-Rampe gewann, obwohl die Entwürfe von Coop Himmelb(l)au und Zaha Hadid höchst interessant erschienen: Sein Projekt eines "Flugdaches" war das einzige, das versprach, im Rahmen der Vorgaben (Budget 1,1 Millionen Euro, Realisierung bis zur Eröffnung des Museums im Frühjahr 2003) zu bleiben.

Verspätete Soravia-Wing

Doch nichts wurde eingehalten: Der Soravia-Wing, dessen Fertigstellung (über ein halbes Jahr verspätet) am Donnerstagabend mit Punsch, Maroni und Kartoffelgulasch gefeiert wurde, ist weder "ein Strich in der Stadtlandschaft", von dem der österreichische Stararchitekt einst schwärmte, noch liegt er "wie ein Messer ganz dünn und zart", so Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der Projektpräsentation, über der Augustinerbastei. Weder ist der Flügel aus Titan, wie angekündigt, noch flach wie eine Flunder: Das Dach, in recht konventioneller Spantenbauweise errichtet und mit eloxiertem Aluminiumblech bedeckt, ist statt 45 nun gar 68 Zentimeter dick.

"Holzhackerlösung"

Jurymitglied Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein Museums, ist enttäuscht: "Uns war Hightech versprochen worden, eine Holzhackerlösung ist es geworden." Weiterhin Probleme hat er mit den Dimensionen der auskragenden, 53 Meter langen Konstruktion, deren Spannweite zwölf Meter beträgt: "Das Dach wirkt wie ein Riesenfisch auf einem Dessertteller. Das geht nicht zusammen." Albertina-Chef Schröder verteidigt das unbekannt teure Flugobjekt (die Brüder Hanno und Erwin Soravia als Bauherren und Sponsoren schweigen zu den Kosten, die explodiert sein sollen) dennoch: Laut Presseaussendung sei der 300 Quadratmeter große Baldachin, der sich "in eine Reihe großer Flugdächer wie etwa jenes von Jean Nouvel für die Konzerthalle in Luzern" einordne, "ebenso spektakulär wie sensibel", er signalisiere mit seiner zerbrechlichen, dynamischen und eleganten Form "Geschwindigkeit, Schnelligkeit und Zukunft".

Sensibles Flugdach

Die zerbrechliche Form des sensiblen Flugdachs wurde den Festgästen, darunter Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Planungsstadtrat Rudolf Schicker (in Vertretung des Bürgermeisters) als Redner, in einer Licht- und Tonshow schlagend vor Augen geführt: Keiner brauchte Angst haben, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. (Thomas Trenkler, DER STANDARD Printausgabe 12.12.2003)

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