Bittner: Keine Rationierung für Patienten

15. Dezember 2003, 18:49
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WGKK-Chef im STANDARD-Interview: Ärzte, die unökonomisch verschreiben, sollten sanktioniert werden

Ärzte, die unökonomisch verschreiben, sollten sanktioniert werden, sagt der Wiener Kassenobmann Franz Bittner zu Martina Salomon.

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STANDARD: Was halten Sie denn von der Protestversammlung der Ärzte?

Bittner: Wenn sie dahingehend gerichtet ist, dass wir insgesamt zu wenig Geld im Gesundheitswesen haben, dann hat der Protest einen Sinn. Wenn sie sich gegen die Politik des Hauptverbandes der Sozialversicherung richtet, wo mehr oder weniger die Wirtschaftskämmerer den Ton angeben, dann habe ich auch nichts dagegen. Wenn sich der Protest aber an das Verhältnis zwischen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse richtet, dann habe ich relativ wenig Verständnis, weil die bisherigen Verhandlungen ja im Endstadium sind. STANDARD: Wo spießt es sich denn überhaupt?

Bittner: Der Letztstand ist: 1,9 Prozent plus auf den bisherigen Ärztetarif 2004, und 0,6 Prozent für 2005. Beide Partner haben das Bestreben, den Generikaanteil innerhalb eines Jahres zu verdoppeln: von neun auf 18 Prozent. Das würde uns ein Einsparungsvolumen von 4,5 bis fünf Millionen Euro bringen. Damit hätten wir einen gewissen Spielraum für 2004.

STANDARD: Warum kann die Wiener Gebietskrankenkasse nicht zum Beispiel ihr Hanusch-Spital sperren, um mehr Geld für die Ärzte zu haben?

Bittner: Ganz einfach: weil das Hanusch-Krankenhaus kein Defizitfaktor ist. Wer diese Wahnvorstellung hat, kennt meine Bilanz nicht!

STANDARD: Die Ärzte befürchten Sanktionen, wenn sie zu viele Medikamente verschreiben.

Bittner: Es geht nur darum, dass gleichwertige, aber billigere Medikamente verschrieben werden. Ich habe kein Verständnis, wenn sich ein Arzt daran nicht hält. Da muss es doch möglich sein, gemeinsam mit der Ärztekammer eine Sanktion zu setzen! Das bedeutet nicht, dass es Rationierung für Patienten gibt.

STANDARD: Die Ärzte haben es aber leichter, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen, oder?

Bittner: Bei knapper werdenden Ressourcen wird es Verständnis dafür geben, dass ein Einsparungsvolumen genutzt wird, das keine Nachteile für die Betroffenen hat. Ich gehe davon aus, dass wir am Wochenende einen neuen Gesamtvertrag für Wien haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.12.2003)

  • Der Gewerkschafter Franz Bittner ist seit 1997 Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse. Er wird immer wieder für höhere politische Weihen gehandelt.
    foto: standard/cremer

    Der Gewerkschafter Franz Bittner ist seit 1997 Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse. Er wird immer wieder für höhere politische Weihen gehandelt.

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