Grazer Handy-Projekt: Notruftelefone für bedrohte Frauen und Kinder

24. Jänner 2000, 21:52

Österreichweit einmaliges Projekt mit alten Mobiltelefonen - Grazer Frauenhaus und Interventionsstelle als Nutznießer

Graz - Ein Pilotprojekt, das gebrauchte Mobiltelefone einem neuen Nutzen zuführt, ist in Graz angelaufen: Gewaltopfer werden mit den ausgedienten Handys ausgestattet, mit denen man zwar nicht mehr telefonieren, wohl aber immer noch unter 112 einen Notruf absetzen kann. Das Grazer Frauenhaus sowie die Interventionsstelle gegen familiäre Gewalt sind die ersten Opferschutzeinrichtungen, die vom Initiatior, dem KPÖ-Gemeinderatsklub, mit Notruftelefonen ausgestattet worden.

Mit Mobiltelefonen kann man heutzutage in Notfällen beinahe von überall aus Hilfe herbeiholen. "Nicht jeder kann sich aber ein Gerät und die daraus erwachsenden Kosten leisten", so Martin Khull-Kholwald von der KPÖ Graz. Bei gebrauchten GMS-Geräten bleibe die völlig kostenlose Notruf-Funktion aber auch erhalten, wenn keine SIM-Karte mehr installiert ist. 30 solcher Geräte wurden am Montag dem Grazer Frauenhaus und der Interventionsstelle gegen familiäre Gewalt übergeben.

"Wir haben bisher zwölf Handys bekommen und wieder gleich an unsere Frauen weitergegeben", so Marina Sorgo von der Interventionsstelle gegen familiäre Gewalt. Am Montag wurde die Institution mit 15 weiteren Geräten versorgt. Die Sozialarbeiterin wies darauf hin, dass gerade jenen Frauen, die von ihren Partnern mißhandelt wurden, oftmals jede Möglichkeit fehlt, um im Wiederholungsfall rasche Hilfe herbei zu rufen: "Oft ist der Telefonanschluss bereits gesperrt, in vielen Fällen wird das Telefon aber auch vom randalierenden Partner kaputt gemacht", weiß Sorgo aus den Erzählungen der rund 350 Frauen, die jährlich in der Grazer Interventionsstelle Schutz und Hilfe finden.

Mit den Notruftelefonen kann die Grazer Opferschutzeinrichtung jetzt jenen Frauen, die Angst haben müssen, dass es nicht beim einmaligen Gewaltübergriff bleiben könnte, ein wenig mehr Sicherheit bieten. 15 weitere Exemplare wurden dem Grazer Frauenhaus übergeben. "Wir haben noch einige soziale Einrichtungen, aber auch Einzelpersonen auf der Warteliste", so Khull-Kholwald, der daran dankt, auch alleinstehende Frauen, Senioren und Jugendliche mit Notrufhandys auszustatten.

Bei den Spendern der am Montag übergebenen Handys handelt es sich um zwei Grazer Firmen. "Wir könnten noch wesentlich mehr Menschen helfen, wenn auch Privatpersonen ihre überflüssig gewordenen Handies nicht gleich in den Sondermüll werfen, sondern an uns weitergeben würden", so Khull-Kholwald. (APA)

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