Ouvertüre zum Kampf der Giganten

24. Jänner 2000, 19:32

Warner und EMI schließen sich zur Nummer eins der Musikindustrie zusammen

HINTERGRUND

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London/Gütersloh - Die bevorstehende Fusion von Warner Music und der britischen EMI-Gruppe zum weltgrößten Musikkonzern ist der Auftakt zu einem neuen Satz im Kampf um die Gunst der Musikkonsumenten. Analysten schätzen den gemeinsamen Börsenwert auf knapp 275 Mrd. S (19,9 Mrd. EURO).
Nach dem Zusammenschluss bleiben nur vier Hauptdarsteller in der globalen Arena übrig: Universal Music ist seit Dezember 1998 Marktführer. Damals kaufte die Konzernmutter, der kanadische Getränkekonzern Sea- gram, Polygram. Mit der Fusion werden Warner und EMI die erste Geige spielen. Nummer drei und Nummer vier der Musikgiganten sind die japanische Sony Music und die deutsche Bertelsmann Music Group (BMG).

Bertelsmann hält nach wie vor an den Plänen fest, noch heuer die Nummer eins in der Musikbranche zu werden, sagte ein Sprecher des Gütersloher Konzerns am Montag. Bertelsmann sei seit längerem auch an EMI interessiert gewesen, berichten Insider.

Auch eine Übernahme von Sony Music liege im Bereich des Möglichen. "Es gibt nicht nur Sony", sagte der Bertelsmann-Sprecher am Montag weiter. Eine Gegenofferte für die EMI werde hingegen nicht vorgelegt werden.

Bis zur Umsetzung der Fusion von Warner und EMI werden noch einige Monate vergehen. Die Wettbewerbshüter werden den Zusammenschluss der beiden Konzerne möglicherweise nur mit Auflagen genehmigen, erwartet die britische Wirtschaftszeitung Financial Times. Das Zusammengehen würde ein Unternehmen schaffen, das 25 Prozent des weltweiten Musikmarktes kontrollieren würde. Der neue Marktführer hat mehr als 2500 Künstler unter Vertrag - beispielsweise die Rolling Stones, die Spice Girls, die Rockgruppe Metallica, die Sängerinnen Tina Turner, Madonna und Cher. Warner EMI Music wird Verlagsrechte an mehr als zwei Mio. Songtiteln halten. Gemeinsam kommen die zwei Unternehmen auf einen Umsatz von rund 110 Mrd. S.

Internet-Macht

Warner und EMI werden voraussichtlich auch zum führenden Musikanbieter im Internet aufsteigen, mit Blick auf die Fusion von Konzernmutter Time Warner mit dem Online-Dienst AOL. Warner EMI erhält durch diesen Deal Zugang zu 22 Millionen Internet-Kunden. (Reuters/szem)

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