Sieg für Internet-Apotheker DocMorris

18. Dezember 2003, 20:36
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Rezeptfreie Medikamente müssen laut einem Urteil des EuGH über das Internet kaufbar sein - Heimische Apotheker rechnen nicht mit Verkaufseinbußen

Wien/Luxemburg - Kaum Auswirkungen auf Österreich erwarten Apothekerkammer und Gesundheitsministerium von der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Demnach dürfen Medikamente, die in einem EU-Land zugelassen und nicht rezeptpflichtig sind, über das Internet bzw. über den Versandhandel verkauft werden. Die EU-Mitgliedsstaaten dürfen nur den Internet-Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbieten.

Die Entscheidung war vom niederländischen Internet-Apotheker DocMorris angestrebt worden, der ein Urteil zu der gesetzlichen Bestimmung in Deutschland anstrebte, wonach der Versandhandel von Medikamenten insgesamt verboten ist.

Versandhandelsverbot

In Österreich regelt ein Versandhandelsverbot für Arzneimittel einen grenzüberschreitenden Einkauf. Der Präsident der Apothekerkammer, Herbert Cabana, erwartet trotzdem relativ wenige Auswirkungen der EuGH-Entscheidung auf Österreich: "Es sind schon viele auf ,Internet-Apotheken' hereingefallen. Studien haben gezeigt, dass Arzneimittel in den österreichischen Apotheken nicht teurer sind als im Internet."

Außerdem machen die rezeptfreien Medikamente nicht einmal zehn Prozent des Arzneimittelumsatzes aus, wird bei der Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, hervorgestrichen. Im Jahr 2002 setzten die heimischen Apotheken mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln 1,4 Mrd. Euro um - mit rezeptfreien Medikamenten 131 Mio. Euro.

Die Internet-Apotheke DocMorris bietet sowohl verschreibungspflichtige als auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente an, die in den Niederlanden oder in Deutschland zugelassen waren. Das deutschsprachige Angebot richtet sich insbesondere an Verbraucher in Deutschland. Eine kostenlose Telefonnummer dient als Kontaktmöglichkeit. Verschreibungspflichtige Medikamente wurden erst nach Vorlage eines Originalrezepts ausgeliefert. Die Waren konnten abgeholt oder ohne Zusatzkosten per Kurierdienst zugestellt werden.

Erwartet wird nun, das DocMorris sein Angebot wesentlich aggressiver bewerben wird als bisher. (ruz, APA, Der Standard, Printausgabe, 12.12.2003)

Den vollständigen Wortlaut des Urteils (C-322/01 DocMorris) veröffentlicht der EuGH unter http://www.curia.eu.int
  • Werbung für nicht zugelassene und für verschreibungspflichtige
Medikamente darf verboten werden
    foto: photodisc

    Werbung für nicht zugelassene und für verschreibungspflichtige Medikamente darf verboten werden

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