EVN: "Strom für Haushalte wird kommendes Jahr erneut teurer"

22. Dezember 2003, 12:40
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In ihrem Stammland Niederösterreich hat die EVN bereits den Strompreis angehoben, 2004 soll er wegen der gestiegenen Großhandelspreise nochmals teurer werden

Wien - Österreichs Haushalte müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Stromrechnungen gefasst machen. "Wir müssen auf den Markt reagieren", sagte der Generaldirektor des niederösterreichischen Strom-, Gas- und Wärmeversorgers EVN, Rudolf Gruber, bei der Präsentation der Jahresbilanz am Mittwoch.

Gruber verwies auf die seit Jahresbeginn um 26 Prozent gestiegenen Großhandelspreise bei Strom - Folge einer massiven Zurücknahme von Kraftwerkskapazitäten in Europa. Allein die deutsche Eon habe rund 5000 Megawattstunden (MWh) vom Netz genommen, zum Großteil ältere, nicht mehr wirtschaftlich zu betreibende Kraftwerke. Zum Vergleich: Alle österreichischen Laufkraftwerke zusammen haben eine Erzeugungskapazität von 5300 MWh.

Anfang November hat die EVN den Strompreis um zehn Prozent erhöht; weil gleichzeitig aber auf Druck des Stromregulators der Netztarif um 6,2 Prozent gesenkt werden musste, sind die Auswirkungen auf die Haushalte dieses Mal kaum zu spüren. Im kommenden Jahr könnte dies anders sein, sagte Gruber, auch wenn man jetzt noch nicht sagen könne, wann genau und um wie viel der Strompreis erhöht werden muss. Gruber: "Die gesamte Branche wird den Preis erhöhen müssen."

Höhere Dividende

Bei der österreichischen Stromlösung heißt es weiterwarten. Die Kooperation von EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG, Bewag) und Verbund ist an die Auflage der EU-Kommission geknüpft, 3000 Gigawattstunden an Allianzfremde abzutreten. Der ins Auge gefasste Verkauf der Verbund-Großhandelsbeteiligung APC spießt sich aber zurzeit, weil die Preisvorstellungen interessierter ausländischer Stromkonzerne und des Verbunds deutlich auseinander liegen. Die Allianz könnte auch etwas verkaufen, bestätigte Gruber, "aber das haben wir nicht vor". Er erwarte, dass die Stromlösung im ersten Halbjahr 2004 operativ wird.

Im Geschäftsjahr 2002/3 (per Ende September) hat EVN aufgrund des starken Wettbewerbdrucks, höherer Energiebezugspreise und der Auslagerung des Gasgeschäfts in die Econgas einen Einbruch des operativen Ergebnisses hinnehmen müssen. Das Ebit brach um 19,8 Prozent auf 102,5 Mio. Euro ein (siehe Grafik). Wegen des besseren Finanz- und Jahresergebnisses wird die Dividende auf 75 (70) Cent erhöht. (stro, Der Standard, Printausgabe, 11.12.2003)

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    Die österreichische Stromlösung mit dem Verbund hängt weiter am Verkauf einer Beteiligung.

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