Einbruch ist fast risikolos

14. Dezember 2003, 19:28
5 Postings

Anders bei rasant wachsender Computer- kriminalität: Die Auf - klärungsquote beträgt fast 100 Prozent

Die sprunghaft angestiegene Kriminalität resultiert vor allem aus der Zunahme von Einbrüchen und Diebstählen. Das Risiko für die Täter ist gering. Anders die Lage bei der rasant wachsenden Computerkriminalität: Die Aufklärungsquote beträgt fast 100 Prozent.

***

Wien - Der Kriminalitätsboom im heurigen Jahr verunsichert und ärgert die Bevölkerung massiv. 55 Prozent der Österreicher gaben in einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitut Imas an, die Zunahme der Kriminalität beschäftige sie. Die Opposition fordert den Rücktritt des Innenministers und mehr Exekutive. Innenminister Strasser verweist dagegen auf die geplante Strukturreform.

Besonders in Wien scheint die Lage dramatisch: Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle stieg laut der am Dienstag veröffentlichten Kriminalstatistik zwischen Jänner und November um 25,9 Prozent, die Aufklärungsquote dagegen nur um bescheidene 0,1 Prozent auf 27,4 - der mit Abstand schlechteste Wert in Österreich.

Gesteigerte Aufklärungsquote ist mit Vorsicht zu genießen

Die Steigerung der Wiener Aufklärungsquote ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen: Denn die Schwerpunktaktionen gegen Drogendealer führen naturgemäß dazu, dass auch mehr Delikte aufgeklärt werden.

Auf dem Sektor der Eigentumsdelikte ist die Lage dagegen trist. Österreichweit schlugen Diebe und Einbrecher fast 304.000-mal zu, die Aufklärungsquote liegt zwischen zehn (bei Einbruch) und 14 Prozent (bei Diebstahl). Besonders in der Bundeshauptstadt schiebt die Exekutive die Schuld auf ausländische Banden, die etwa in den U-Bahnen organisiert auf Beutezug gingen.

Boom bei Cybercrime

Eine statistisch gesehen fast unglaubliche Steigerung erlebte die Computerkriminalität. Die Zahl der angezeigten Fälle aus diesem Bereich schoss gleich um 2368,5 Prozent in die Höhe - von 162 auf 3999 Delikte. Fast alle Arten von Cyberkriminalität finden sich darunter: Virenattacken, Angriffe von Hackern und unbefugte Verwendung von Zugangscodes.

Viren anzeigen

Für Markus Blank vom Büro für Computerkriminalität im Bundeskriminalamt sind zwei Faktoren für den sprunghaften Anstieg hauptverantwortlich: Die weitere Verbreitung des Internets und das im vergangenen Oktober geänderte Gesetz gegen die Cyberkriminalität. "Da hat sicher auch eine Sensibilisierung der Menschen stattgefunden - früher hat man sich über Viren geärgert, heute wissen die Leute, dass sie es anzeigen können." Die Aufklärungsquote ist in dem Bereich übrigens exzellent: Sie liegt bei 99 Prozent.

Der Drang der Verbrecher in die Computerwelt ist ein globales Phänomen. Die US-Bundespolizei FBI hat heuer bereits zwei Schwerpunktaktionen mit Hunderten Verhaftungen in diesem Sektor durchgeführt. Alleine bis zum heurigen September waren in den USA um 20 Prozent mehr Anzeigen wegen Computerkriminalität eingegangen als im gesamten Jahr 2002. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 11.12.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Computerkriminalität erlebte statistisch gesehen eine fast unglaubliche Steigerung

Share if you care.