Fleischblume im Hosentopf

15. Jänner 2004, 09:17
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Der Flamenco-Star Joaquín Cortés knattert durch Österreich

Ein Mann wie ein Bohrhammer. Mit dem Knattern seiner Schuhe durchdringt er die Herzen der stolzesten Frau'n, als wären sie aus Butter. So oder ähnlich ist der Ruf, der ihm vorauseilt, Joaquín Cortés, dem Popstar unter den Flamencotänzern, der Österreich gerade mit seiner neuen Show Live 3 beehrt: in der Salzburgarena, der Wiener und der Grazer Stadthalle.

Er taucht auf aus Lichtfluten, ein Priester seiner eigenen Erscheinung, Verkünder des Flamenco, allein in Begleitung von an die zwanzig Musikern. Er lässt sich Zeit. Der Boden ist sein Perkussionsbrett, er weiht es ein, tänzelt und schwänzelt, springt und dreht sich. Pause. Kostümwechsel.

Nebelschwaden. Ein Schatten in grünlichem Wallen. Stille. Ein Tak, ein Takatak. Dann legt er los, in lässig durchgezogener Linie von der Ferse bis zum Scheitel. Er weiß, worauf gewartet wird. So schiebt er ein Gitarrenhecheln dazwischen, ein Flötenschluchzen dazu, spielt an elektronischen Drums.

Und endlich legt er ab. Eine schillernde Fleischblume im Topf ihrer tief sitzenden Dynamikhose blüht auf. Die Menge raunt und gerät in eine Stimmung. Um die Hüften ist der 34-jährige Hardbody bereits zartweich geworden. Zuweilen zittert das Standbein. Doch sein Schuhwerk tritt zum Schlussplädoyer an. Der Hammer kommt auf Touren, die Ekstasis scheint zum Greifen nah, da knickt er nieder, breitet seine Armschwingen aus, scheint, was er in den Boden getippt hat, mit den Lippen zu berühren, wie um dem Holz ein Wort zu entlocken

Doch das Fleisch wird nicht Wort. Auch nicht im ratternden Finale. Dazu ist Cortés' selbstgefälliger Pomp doch ein Alzerl zu geschwätzig. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2003)

Von
Helmut Ploebst
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    Der Boden ist sein Perkussionsbrett, Cortés weiht es ein, tänzelt und schwänzelt und springt.Foto: Reuters

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