Informationslücke soll geschlossen werden

12. Jänner 2004, 22:27
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Annan: Internet soll für alle Menschen zugänglich werden

Mit Bekenntnissen zu einem für alle Menschen zugänglichen Internetangebot hat am Mittwoch in Genf der erste Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen begonnen. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach sich dabei für eine weltweit offene Informationsgesellschaft aus. Er rief zur Überwindung des so genannten digitalen Grabens zwischen Entwicklungs- und Industrieländern auf.

Eine offene Informationsgesellschaft

"Der Aufbau einer offenen ... Informationsgesellschaft ist eine soziale, wirtschaftliche und letztlich politische Herausforderung", sagte Annan. Bis Freitag beraten rund 14.000 Teilnehmer aus Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaften über die Zukunft der Informationsgesellschaft und die Anbindung der Dritten Welt an diesen technologischen Fortschritt.

Für Annan befindet sich die Welt in einem historischen Wandel. "Vom Handel bis zur Fernmedizin, von der Erziehung bis zum Umweltschutz haben wir es in der Hand ... die Fähigkeit, den Lebensstandard von Abermillionen von Menschen zu verbessern", sagte der UN-Generalsekretär weiter. Er verwies aber zugleich darauf, dass die große Mehrheit der Menschen, und besonders in den Entwicklungsländern, keinen Zugang zum digitalen Raum hat.

Große Lücken in der Infrastruktur

Auf Grund fehlender technologischer Voraussetzungen gebe es große Lücken in der Infrastruktur. Zum Inhaltlichen meinte Annan: "Eine Menge Wissen, das im Web steht, ist für die wirklichen Bedürfnisse der Menschen irrelevant". Zudem seien 70 Prozent der Web-Sites in englischer Sprache abgefasst, wobei örtliche Stimmen und Ansichten ausgeklammert blieben.

Die finnische Staatspräsidentin Tarja Halonen verwies darauf, dass jedes Land es selbst verantworten müsse, wie es seine digitale Entwicklung vorantreibe. "Jedoch die Werte und Prinzipien, auf der wir die Informationsgesellschaft aufbauen, sind für uns in den Vereinten Nationen gemeinsame Werte", sagte Halonen. Sie erinnerte daran, dass es auch einen "digitalen Graben" zwischen Alt und Jung und zwischen den Gebildeten und erziehungsmäßig Vernachlässigten gebe.

Einigung bei Schlusserklärung und Aktionsplan

Die Delegierten aus 180 Teilnehmerstaaten haben sich bereits weitgehend auf eine Schlusserklärung und einen Aktionsplan geeinigt. Auch die strittige Frage der Einrichtung eines Fonds wurde nach Angaben aus Delegationskreisen gelöst. Nach einem Vorschlag des Gastlandes Schweiz beschlossen die Delegationen am Dienstagabend, dass eine UN-Arbeitsgruppe bis Ende 2004 die Notwendigkeit eines Solidaritätsfonds prüfen soll. Auch die Unabhängigkeit der Medien ist nun in einem eigenen Kapitel der Abschlusserklärung festgehalten. Ein neues Verfahren zur Regulierung des Internets wird auf den zweiten Teil des Gipfels verschoben, der 2005 in Tunis stattfinden soll.

An der Konferenz werden rund 60 Staats- und Regierungschefs sowie mehr als 80 Minister teilnehmen, von denen die meisten jedoch nicht aus den reichen Industrieländern stammen. Bereits am Mittwoch kam es am Rande des Treffen zu zahlreichen Begegnungen, darunter auch zwischen dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Khatami. Mubarak traf auch den israelischen Außenminister Silvan Shalom. Dieser sprach von einem "sehr ermutigenden" Gespräch.(APA/dpa)

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