UMTS: Benutzung auf eigene Gefahr

23. Dezember 2003, 12:23
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Die dritte Handygeneration ist eine Baustelle: Dieses Bild vermittelt T-Mobile-Austria-Chef Georg Pölzl

T-Mobile Austria arbeitet derzeit an zwei Baustellen. Die eine, das neue Konzerngebäude, steht in Wien Erdberg; dort ziehe man erst ein, „wenn das Gebäude fertig ist“, sagt T-Mobile Chef Georg Pölzl.

Baustelle UMTS

Die andere Baustelle, suggeriert sein Vergleich, ist UMTS – das Handynetz der dritten Generation (3G). Und ob man will oder nicht (die Konzernmutter will nirgendwo sonst in der Welt außer in Österreich), diese Baustelle wird für besonders mutige Benutzer ab sofort zum Einzug freigegeben. Denn der Regulator will es so: Paragraf 8, Absatz 2 der UMTS-Lizenz sieht vor, dass bis zum 31. Dezember 2003, ein „kommerzielles Dienste-angebot“ für mindestens 25 Prozent der Bevölkerung mit minimaler Datengeschwindigkeit von 144 Kilobit/Sekunde zur Verfügung stehen muss.

37 Prozent

Also eröffnet T-Mobile „hier und heute“ ihr Netz, erklärt Pölzl, mit einer Abdeckung von 37 Prozent der Bevölkerung (Wien und Landeshauptstädte ohne Salzburg), 384 Kilobit/s und den Diensten der „t-zone“, die es auch für herkömmliche Handys gibt, nur eben schneller. In „ausgewählten Shops“ kann man das Nokia 6650 um 500 Euro als UMTS-Handy erwerben (und mit Datenkabel zum PC-Modem umfunktionieren).

Aber so richtig bewerben wird T-Mobile das Angebot nicht, räumt Pölzl ein – und hält ein kleines, schnuckeliges Samsung-Handy der jüngsten Generation hoch, nach Größe und Gewicht höchstens ein Drittel des 6650: „Die Kunden werden entscheiden“, und zwischen den Zeilen lässt Pölzl wenig Zweifel, dass Kunden derzeit eher zu den neuen, kleinen Kamerahandys greifen.

Videotelefonie keine Killerapplikation

Eine neue SIM-Karte braucht man zur Nutzung des UMTS-Angebots nicht, bestehende können freigeschaltet werden – das erlaubt es Abenteurern, sowohl ein UMTS-Handy als auch ihr vorhandenes Gerät zu benutzen. Die Datentarife sind dieselben wie bei GPRS (der derzeitigen Datentechnik): fünf Euro für ein Megabyte Daten ohne Grundgebühr, oder sieben Euro Grundgebühr für zehn Megabyte, jedes weitere einen weiteren Euro. Videotelefonieren kann man mit dem 6650 nicht, obwohl es das Netz kann, aber Pölzl glaubt – anders als Mitbewerber "3" – ohnedies nicht daran, dass Videogespräche eine „Killerapplikation“ seien. Einen wirklichen Massenmarkt sieht Pölzl erst ab 2005, „und ab 2006 und 2007 wird UMTS wieder jeder vergessen, weil es dann selbstverständlich wird“. Aber derzeit wolle man „nicht so tun, als ob es schon so weit ist“, begründet er den defensiven Marktstart.

Keine Handys

Ähnlich gehen übrigens die Konkurrenten One und Telering vor, die nicht einmal Handys anbieten werden, nur Zugang zu ihren vorhandenen Rumpfnetzen. Telefónica, der sechste Lizenznehmer, will dem Vernehmen nach seine Lizenz zu Jahresende zurückgeben – sonst wären 20 Millionen Euro Strafe fällig. Schon seit Frühling sind A1 und "3" in Betrieb.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 11.12.2003)

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