"Der Start war missglückt"

12. Dezember 2003, 15:49
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Die Skispringer sind nicht einmal mittelmäßig in die Saison gestartet - ÖSV-Sportdirektor Anton Innauer mit dem Versuch einer Analyse

Innsbruck/Wien - Da vor der mitunter komplizierten Erklärung immer noch die simple Feststellung kommt, stellt also Sportdirektor Anton Innauer einfach nur fest. "Der Start war missglückt." Zahlen, die kaum lügen, belegen das: In den drei Weltcupspringen verbuchte der ÖSV zwei sechste Plätze durch Andreas Goldberger und Martin Höllwarth. Andreas Widhölzl war einmal Siebenter und zweimal nirgendwo. Innauer, zurück- und vorausblickend, aber fern von analytischen Ansätzen: "Lieber jetzt schwach als bei der Vierschanzentournee."

Tatsachen-Filterung

Ad Erklärung: "Unser Problem ist, dass die anderen keine Probleme haben." Gemeint sind die Deutschen, die Finnen, die Norweger, der Pole Malysz. Wurde also falsch trainiert, hat Chefcoach Hannu Lepistö gepatzt? Innauer: "Nein, das kann man kurz nach Beginn nicht behaupten. Es ist noch nicht so tragisch." Der Grat zwischen Erklärung und Ausrede sei ein schmaler, "man muss versuchen, Tatsachen herauszufiltern".

Der Auftakt im finnischen Kuusamo glich gewiss einer Windlotterie, Thomas Morgenstern stürzte spektakulär, die körperlichen Folgen waren eher gering, Prellungen und ein faustgroßer Bluterguss in der Leistengegend verschwinden. Innauer relativiert: "Es war nicht nur eine Böe, es war auch ein Fehler des Athleten. Er hat bei schwierigen Bedingung zu viel riskiert." Morgenstern war Sieger des Sommer- GP, er wollte zeigen, was er im Winter drauf hat. "Bei einem 17-Jährigen muss man das verstehen." Nach dem Sturz wurde die Konkurrenz abgebrochen, Höllwarth führte zu diesem Zeitpunkt. Innauer: "Das vergisst man leicht."

Streik oder Sprung

Das österreichische Team war jedenfalls geschockt, zumal es auch Andreas Kofler gebirnt hatte. Innauer: "Allen Beteiligten wurde klar, wie gefährlich der Sport ist. Das war aus dem Bewusstsein fast draußen." Höllwarth wollte für den nächsten Tag einen Streik organisieren, mit dem Ergebnis, dass alle und auch er selbst gesprungen sind. "In solchen Situation merkt man die Schonungslosigkeit. Auch er dachte im Endeffekt, gewinn' ich oder werde ich Letzter, ich will es wissen."

Man suchte nach diesen Turbulenzen erst einmal nach Schanzen und Schnee. Trondheim drängte sich auf, bedauerlicherweise konnte dort bis zum Wettkampf nicht gearbeitet werden. Zu viel Wind. "So konnten wir keine Sicherheit kriegen. Zumal wir uns ans neue Material, an die engeren Anzüge erst gewöhnen müssen. Sprünge sind eben die Voraussetzung fürs Skispringen." Die Finnen, Norweger und Deutschen übten derweil in Lillehammer. Bei idealen Bedingungen. Der Norweger Roar Ljökelsöy gewann dann den einen Bewerb in Trondheim, der andere wurde gestrichen. Zu viel Wind.

Die Gier bleibt

Dieser Tage konnte in Lillehammer tatsächlich dem Beruf nachgegangen werden. Der Weltcup gastiert am Samstag und am Sonntag im Schwarzwald, genau in Titisee-Neustadt. Innauer hofft auf Platzierungen "in der Nähe des Podests". 50.000 und mehr Zuschauer werden erwartet. Das liegt auch am abwesenden Morgenstern, so ein Stern ist der Gier nicht unförderlich. Innauer steht im telefonischen Kontakt mit dem Burschen, der am Tag nach dem Unfall meinte: "Ich hatte Angst um mein Leben."

Der Sportdirektor kann den genauen Zeitpunkt der Rückkehr nicht nennen. "Er stellt schon wieder die üblichen Fragen. Man soll nix überstürzen. Profis haben die Aufgabe, Dinge wegzustecken. Das gilt für alle unsere Springer." Dabei handelt sich lediglich um eine simple Feststellung. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 11. Dezember 2003, Christian Hackl)

Einzel - Gesamtwertung (3):

  1. Adam Malysz (POL)              189
  2. Roar Ljökelsöy (NOR)           176
  3. Veli-Matti Lindström (FIN)     152
  4. Sigurd Pettersen (NOR)         136
  5. Janne Ahonen (FIN)             128
  6. Sven Hannawald (GER)           127
  7. Matti Hautamäki (FIN)          116
  8. Akseli Kokkonen (FIN)           74
  9. Tommy Ingebrigtsen (NOR)        72
 10. Maximilian Mechler (GER)        60
   . Björn Einar Romören (NOR)       60
 12. Michael Uhrmann (GER)           57
 13. Martin Höllwarth (AUT)          56
 14. Andreas Goldberger (AUT)        54
 15. Peter Zonta (SLO)               53
   weiter:
 20. Andreas Widhölzl (AUT)          37
 22. Thomas Morgenstern (AUT)        29
 26. Florian Liegl (AUT)             24
 28. Balthasar Schneider (AUT)       20
 30. Andreas Kofler (AUT)            18
 38. Reinhard Schwarzenberger (AUT)  11
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