Ärzte für "Gesundheitszuschlag" auf Sportgeräte

11. Dezember 2003, 14:00
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Kammerpräsident Pjeta für ersatzlose Streichung des Krankenscheins - Auch e-card "nicht notwendig"

Linz - Mit einer Reihe von zum Teil brisanten Vorschlägen für die künftige Finanzierung des Gesundheitssystems und für Kosteneinsparungen in diesem Bereich meldete sich am Mittwoch die oberösterreichische Ärztekammer zu Wort. Unter anderem wird ein "Gesundheits-Zuschlag" beim Kauf von Sportgeräten gefordert. Und Ärztekammer-Präsident Otto Pjeta sprach sich für die ersatzlose Abschaffung des Krankenscheins aus, weder dieser noch eine e-card seien notwendig. Hier wären große Einsparungen möglich, so Pjeta bei einer Pressekonferenz in Linz.

Man sei nicht grundsätzlich gegen Reformen im Gesundheitssystem, doch es müsse nicht alles "neu erfunden" werden, so die OÖ. Ärztekammer, vielmehr sollten die vorhandenen Strukturen im "sozialpartnerschaftlichen" Sinn zwischen Leistungserbringern und Leistungsfinanzierern weiter ausgebaut werden. Entscheidend sei aber die gesicherte Finanzierung des Gesundheitssystems auch für die Zukunft, "medizinischer Fortschritt kostet Geld", formulierte Thomas Fiedler, Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Oberösterreich.

Finanzierungsquellen

Nach Ansicht der Kammer müsse es auch um die Erschließung neuer Finanzierungsquellen gehen. So sollte man Besserverdienenden die Möglichkeit geben, für die Inanspruchnahme eines niedergelassenen Arztes aus der gesetzlichen Krankenversicherung auszuscheiden und eine gleichwertige private Versicherung abzuschließen. "Der Vorteil für das Gesundheitssystem liegt in diesem Fall darin, dass mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, die Patienten haben den Vorteil, im niedergelassenen Bereich privat einen Arzt in Anspruch nehmen zu können", so die Ärztekammer.

Zweckbindung

Weiters sollten die Einnahmen aus der Tabaksteuer für die Finanzierung des Gesundheitssystems zweckgebunden werden. Außerdem treten die Ärzte für eine ebenfalls zweckgebundene "einmalige Abgabe beim Kauf von bestimmten Sportgeräten" ein, mit denen - nach den Statistiken - besonders häufig Unfälle passieren. Konkret wären das beispielsweise Snowboards oder auch Ski, für die der Käufer einen "Gesundheits-Zuschlag" zahlen sollte. Nur Hobby-Sportler, die eine private Zusatzversicherung für ambulante oder stationäre Spitalsbehandlung nachweisen, könnten von dieser Abgabe beim Kauf von Sportgeräten befreit werden, so Pjeta.

Der Sprecher der Spitalsärzte in Oberösterreich, Harald Mayer, kritisierte bei der Pressekonferenz die derzeitige "Deckelung" bei Ambulanzausgaben. "Die Kasse zahlt nur bis zum Deckelbetrag, was darüber hinaus geht, fällt kostenmäßig dem Spitalserhalter zur Last", so Mayer. Ebenso sei es problematisch, dass die Kasse bei teuren Behandlungsfällen nicht mehr alle Leistungen bezahlt. Der Spitalsärztevertreter illustrierte dies an einem konkreten Beispiel: Ein Herzschrittmacher koste rund 8.300 Euro, die Kasse zahle aber nur 4.300 Euro, der Rest müsse wiederum vom Spitalserhalter getragen werden. (APA)

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    Müssen Freizeitsportler in Zukunft einen Zuschlag auf Sportgeräte zahlen?

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