"Das Wort Notsituation ist keine Übertreibung"

15. Dezember 2003, 18:15
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Leere Meere vor Amerika: Alte Fehlentscheidungen führen zum Verschwinden der Fischbestände

Portland/Oregon - Einige Top-Experten der Meeresbiologie warnen vor dem drohenden Kollaps der Ozeane vor den beiden Küsten Amerikas. Sowohl der Atlantik als auch der Pazifik sind in einem bedauernswerten Zustand, erklären die Wissenschaftler. Schuld daran sind Entscheidungen von Politikern, die vor über 30 Jahren gefällt wurden. Damals hieß es, dass die Meere quasi immense und niemals endende Ressourcen darstellen, berichtet "The Register Guard" aus Eugene/Oregon.

Historischer Fehler

Auch in den Meeren vor der amerikanischen Küste spielen sich jene Szenerien ab, die in Europa alljährlich für Diskussionen innerhalb der EU-Fischereikommission sorgen: Der extreme Rückgang der Fischbestände. "Das Wort Notsituation ist keine Übertreibung", so Jane Lubchenko, Meeresbiologin von der Oregon State University und eine der 18 Wissenschaftler der Pew Oceans Commission. Der historische Fehler sei 1969 der Stratton Commission, einer Gruppe, die den Zustand der Ozeane studiert hat und danach in einem Report zusammenfasste, unterlaufen. "Das daraus resultierende Verhalten hat dazu geführt, dass die Ozeane heute in diesem Zustand sind", erklärt die Spezialistin. Die Pew Oceans Commission ist zum Schluss gekommen, dass die Meere und die darin lebenden Tiere schwerwiegend bedroht sind.

Besonders betroffen sind die Fischer im US-Bundesstaat Oregon. Die Zahl der Schnapper, insbesondere der Bocaccio-Rockfish (Sebastes paucispinus), ist auf nur noch drei Prozent der einstigen Bestände zurückgegangen. Die lokale Regierung hat 92 der 209 kommerziellen Fischereischiffen die Lizenz entzogen. Diese Regelung ist in dieser Woche in Kraft getreten. Zusätzlich dazu sind seit diesem Jahr fast 13.000 Quadratkilometer im Pazifik für die kommerzielle Fischerei zum Sperrgebiet erklärt worden. 1995 waren vor der Küste Neuenglands fast 10.000 Quadratkilometer Ozean zur Schutzzone erklärt worden, nachdem die Kabeljau-Fischerei fast zum Stillstand gekommen war. Nach Angaben der Forscher ist die Einrichtung der Schutzzonen alleine nicht ausreichend. Sie fordern echte marine Nationalparks, die von niemandem befischt werden dürften. "Wir brauchen eine neue Ozean-Ethik", meint Lubchenko. Diese könne aber nur per Gesetz wirklich durchgezogen werden. (pte)

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