Wiener Börse geht ins Massengeschäft

14. Jänner 2004, 14:14
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Echtzeitdaten auch für Private - Ab 3 Euro monatlich können Kleinanleger erstmals auch die besten Kauf- und Verkaufsorders einsehen

Wien - Die Wiener Börse AG (WBAG) steigt ins Massengeschäft ein und bietet erstmals Privatanlegern vollen Echtzeit-Zugriff auf Kursdaten. Mit dem neuen Produkt "Wiener Börse Live" können sich künftig auch private Investoren umfassend über die Kursbewegungen der in Wien notierten Aktien informieren, in einem erweiterten Paket können sie erstmals auch auf die Orderlage und damit auf die "Markttiefe" zugreifen, sagte Börse-Vorstand Erich Obersteiner am Mittwoch in Wien. Im günstigsten Paket sind "Profidaten" für Private bereits ab 3 Euro monatlich abrufbar.

"Die Wiener Börse tritt erstmals mit Privatkunden in eine direkte Vertragsbeziehung", sagte Obersteiner. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger begrüßt die neue Informationsmöglichkeit für nicht-professionelle Anleger. Es handle sich um ein "Signal an Privatanleger, dass sie willkommen sind".

Gerade eine Regionalbörse wie Wien sei auf private Investoren angewiesen. Für Kleinstaktionäre sei das neue Produkt freilich wohl eher nicht geeignet, meint der Präsident des Interessensverbands für Anleger (IVA).

"Wiener Börse Live"

Mit "Wiener Börse Live" können Kunden über Internet künftig Echtzeitkurse abrufen, weiters den letzten zu Stande gekommenen Preis samt dazugehörigem Volumen sowie die besten Kauf- und Verkaufsangebote samt Stückzahl. Im erweiterten Paket sind auch so genannte "level 2-Daten" abrufbar, darunter die besten fünf Kauf- und Verkaufangebote samt Volumina. Diese Daten sind für Aktien, Anleihen, Futures und Optionen abrufbar.

Private Anleger können die Daten für einen Monat bereits ab 3 Euro beziehen, das erweiterte Paket kostet 5 Euro (jeweils zuzüglich Umsatzsteuer). Professionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Unternehmen bezahlen für dieselben Informationen 45 bzw. 55 Euro. Die Datenabfrage kann auch für 3 oder 6 Monate abonniert werden, die Zahlung erfolgt per Kreditkarte, Handy ("Paybox"), Zahlschein oder Banküberweisung.

Die Wiener Börse erzielt mit dem Verkauf von Daten aktuell 36 Prozent ihrer Umsätze, das ist mehr als mit dem eigentlichen Aktienhandel (34 Prozent). 12 Prozent der Umsätze entfallen auf die Termin- und Optionenbörse ÖTOB, 9 Prozent der Umsätze stammen aus Gebühren und Beiträgen der Mitglieder.

"Selbstläufer" pushen Umsatz

Die Umsätze an der Wiener Börse dürften im laufenden Jahr 2003 mehr als 50 Prozent über dem Vorjahreswert liegen, stellte Obersteiner heute in Aussicht. Als Gründe für diese Entwicklung nennt er die kapitalmarktbasierte Zukunftsvorsorge, die sich zum "Selbstläufer" entwickelt habe, sowie die Rückkehr der Aktie der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) an die Wiener Börse. Wegen der überdurchschnittlichen Kursentwicklung sei der Wiener Markt derzeit auch bei internationalen Anlegern gefragt.

Den bevorstehenden Abschied etablierter Titel wie der Brauerei-Aktien BBAG und Brau Union sieht Obersteiner mit gemischten Gefühlen. Dank der Übernahmen hätten Anleger kräftige Kursgewinne erzielen können, das Wegfallen der Marktkapitalisierung sei aber ein "Wermutstropfen". Für das erste Halbjahr 2004 stellt Obersteiner neue Listings in Aussicht. (APA)

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    Die Wiener Börse will privaten Kunden das direkte Handel ermöglichen - der Umweg über Broker ist nicht mehr notwendig.

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