Opfer bleiben immer länger im Frauenhaus

9. Dezember 2003, 19:25
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In Linz gingen 80 Prozent der Frauen nicht zu ihren Partnern zurück - Hotline für Täter

Linz - Immer mehr Frauen wohnen immer länger im Linzer Frauenhaus. Dessen Geschäftsführerin Margarethe Rackl findet diesen Trend durchaus positiv. Denn je länger eine Klientin bliebe, desto größer sei die Chance, dass sie den Weg in die Eigenständigkeit schaffe.

In diesem Jahr fanden bisher 80 Prozent der misshandelten Frauen eine andere Lösung als die Rückkehr zu ihren gewalttätigen Männern. Zuvor kehrte rund ein Drittel der Frauen wieder zu ihren Peinigern zurück. Mehr als die Hälfte blieb im Durchschnitt zwischen einem und sechs Monaten. Rund 20 Prozent verließen das Haus bereits nach einer Woche. Einige wurden von ihren Männern abgeholt, weil diese sich bereit erklärt hätten, eine Therapie zu beginnen. Rackl weiß jedoch, dass es wenig nutze, wenn die Täter nicht aus eigenem Antrieb Hilfe suchen. In der Regel plagt die Schläger kein Schuldbewusstsein. Die Reumütigen seien "an einer Hand abzuzählen".

Ausstieg aus Gewalt

Die Männerberatung des Landes Oberösterreich will versuchen, mit einer neuen niederschwelligen Beratung mehr Täter zu erreichen. Seit 1. Dezember gibt es unter (0820) 43 92 58 eine Telefon-hotline zum Ortstarif. "Ziel ist es, die Täter zum endgültigen Ausstieg aus dem Gewaltkreislauf zu bewegen", so die Männerberatung. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass rund 90 Prozent von denen, die sich per Telefon bei einer Gewaltberatungsstelle gemeldet hatten, auch eine Therapie begannen. Die Hotline ist ein Pilotprojekt der Europäischen Gesellschaft für Gewaltberatung und Tätertherapie. Neben Oberösterreich nehmen auch Deutschland und Luxemburg teil.

Rackl steht diesem EU-weiten Versuch skeptisch gegenüber. Grundsätzlich begrüßt sie jede Maßnahme, um Gewalt an Frauen einzudämmen, warnt aber vor allzu großen Erwartungen an diese Hotline.

"Auswege" aus Gewaltbeziehungen zeigt der gleichnamige Film von Nina Kusturica. Das Frauenhaus Linz und die Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie laden heute, Mittwoch, zum "Internationalen Tag der Menschenrechte" um 17.30 Uhr ins Linzer "Movimento". Die Drehbuchautorin von "Auswege", Barbara Albert, kommt zur Filmvorführung. (ker/DER STANDARD, Printausgabe 10.12.2003)

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    Ein Versuch, um Gewalt an Frauen einzudämmen, stellt die Hotline für Täter dar.
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