In den Flüssen schwinden die Fische

14. Dezember 2003, 21:33
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Zahl der Flussfische verringert sich stetig - Wiener Ökologen machen Verbauungen verantwortlich, welche die Wanderungen der Tiere behindern

Wien - Dem zunehmenden Bestandsrückgang von Fischen aus unseren Flüssen gehen Biologen des Instituts für Ökologie und Naturschutz der Universität Wien nun auf den Grund. Mögliche Erklärungen für das Phänomen gibt es viele, in einem von der EU, der Gemeinde Wien und dem Bund finanzierten Forschungsprojekt soll vor allem geklärt werden, wie sich die zahlreichen Einschränkungen für Fischwanderungen negativ auf die Bestandszahlen auswirken.

Alle Flussfische wandern

Dass Lachse über Tausende von Kilometern wandern, um ihre Nachkommenschaft zu sichern, ist mittlerweile weithin bekannt. Tatsächlich vollführen praktisch alle Flussfische Wanderungen, erklärte Projektmitarbeiter Georg Rakowitz gegenüber der APA. Vereinfacht gesagt, braucht jeder Fisch drei verschiedene Lebensräume, einen wo er genügend Futter findet, einen wo er Schutz findet und einen, wo er seine Nachkommen produziert, also einen geeigneten Laichplatz. Zwischen diesen Lebensräumen sind von den einzelnen Fischarten höchst unterschiedliche Distanzen zurückzulegen.

Weiter Weg zu Laichgründen

Die weitesten Strecken vollführen die Tiere dabei meist bei den Wanderungen zu Laichgründen. "Die Eier vieler Fischarten brauchen kiesigen Untergrund, hier sorgt die Strömung für die nötige Sauerstoffversorgung", so Rakowitz. Etwa in schlammigen Böden würden die Eier bzw. die Embryos effektiv ersticken. Daher wandern viele Fische zum Ablaichen in kleinere Bäche, wo die Bedingungen für Eier und Nachwuchs besser sind. Bereits in früheren Untersuchungen haben die Ökologen festgestellt, dass auf Grund der Wanderungen in einem bestimmten Flussabschnitt unter den Fischen ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.

Verbaute Wege

Sind derartige Wanderungen wegen Verbauungen nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich, oder sind die nötigen Strukturen in einem Flusssystem gar nicht mehr vorhanden, so verbringen die Fische einen mehr oder weniger großen Teil ihres Lebens unter suboptimalen Bedingungen. "Entsprechend weniger Nachwuchs wird es dann geben", ist Projektleiter Hubert Keckeis überzeugt.

Ein drastisches Beispiel dafür ist etwa das Verschwinden der Störe aus der Donau. Mit der Errichtung der Wasserkraftwerke im Bereich des so genannten Eisernen Tores (Rumänien, Bulgarien, Serbien) in den 60er und 70er-Jahren des vorigen Jahrunderts, konnten die Störe ihre teils über 2.000 Kilometer weiten Wanderungen nicht mehr ausführen und verschwanden aus der Donau bei Österreich praktisch vollständig.

Beispiel "Nase"

Im Projekt konzentrieren sich die Biologen ausschließlich auf - weitgehend - natürliche Fischbestände, ohne Beeinflussung von Besatz und Fischerei. Als geeignetes Beispiel wählten sie die Nase (Chondrostoma nasus) aus der Gruppe der Karpfenartigen, die von Fischern kaum geschätzt werden. Die Fische zählten einst zu den Häufigsten im österreichischen Abschnitt der Donau, die Bestände sind aber drastisch zurückgegangen. Mittlerweile haben die Forscher auch eine nachgewiesene Laichstelle der Nase in der niederösterreichischen Fischa gefunden.

Einsatz von Echoloten

Nun möchte Rakowitz etwa durch den Einsatz von Echoloten untersuchen, unter welchen genauen Bedingungen die Tiere ihre Wanderungen vollführen, welche optimalen Voraussetzungen sie brauchen. "Dies wäre nicht zuletzt für die zahlreichen, so genannten Rückbauten von Fließgewässern von Bedeutung", so Keckeis. W

ährend die Ökologen das System Donau-Fischa und Donau-Donaukanal-Wienfluss im Visier haben, werden Kollegen von der Universität für Bodenkultur und dem Umweltbundesamt auch den Stauraum Freudenau in der Bundeshauptstadt untersuchen. Das Projekt wird von EU, Gemeinde Wien, Niederösterreich und Republik Österreich unterstützt. (APA)

  • Nase (Chondrostoma nasus). Die Bestände sind drastisch zurückgegangen. Mittlerweile haben die Forscher auch
eine nachgewiesene Laichstelle der Nase in der niederösterreichischen
Fischa gefunden.
    derstandard.at

    Nase (Chondrostoma nasus). Die Bestände sind drastisch zurückgegangen. Mittlerweile haben die Forscher auch eine nachgewiesene Laichstelle der Nase in der niederösterreichischen Fischa gefunden.

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