Auf der Suche nach einer neuen Vision

15. Dezember 2003, 12:50
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NASA will Krise nach Columbia-Absturz durch Mond-Flug überwinden - Medien berichten von Errichtung einer Zwischenstation auf dem Weg zum Mars

Washington - Die US-Raumfahrtbehörde NASA sieht sich gerne im Geiste der Gebrüder Wright, die am 17. Dezember 1903 den Weg für die moderne Luftfahrt ebneten. Doch 100 Jahre später erlebt die NASA alles andere als einen Höhenflug. Der Absturz der Columbia-Raumfähre am 1. Februar 2003 hat die NASA in eine tiefe Krise gestürzt und ihr ganzes Raumfahrtprogramm auf den Prüfstand gestellt. Viele Kritiker werfen der NASA vor, es fehle ihr eine Vision. Doch nun beleben allein Gerüchte über eine mögliche Rückkehr der USA zum Mond die Geister.

Die "Washington Post" und andere US-Medien hatten berichtet, Präsident George W. Bush könnte schon bei den Feiern zum 100. Jahrestag des ersten motorisierten Flugs in Kitty Hawk (Bundesstaat North Carolina) einen neuen Mondflug bekannt geben. Auch die Errichtung einer permanenten Mondstation werde erwogen, von der aus dann eine bemannte Marsexpedition aufbrechen könnte.

Nach Kennedy-Vorbild

Das neue Interesse an Mond und Mars ist nach Einschätzungen von Kritikern zum einen politisch bedingt. Bush sei ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen auf der Suche nach visionären Ideen im Stil John F. Kennedys, hinter denen sich die ganze Nation vereinen könne. Aber auch die "Columbia"-Katastrophe trug zu der Debatte bei. Die Kommission, die den Absturz untersucht und der NASA bereits viele Managementfehler bescheinigte, warf Regierung und Kongress "eine fehlende Vision" in der Raumfahrtpolitik der vergangenen 30 Jahre vor.

Überzeugte

Die Berichte über einen bemannten Mond- oder Marsflug wurden von vielen Raumfahrtinteressierten mit Freude aufgenommen. Der NASA- Wissenschaftler Everett Gibson erklärte: "Der Mond könne als Entwicklungsstandort dienen, der es uns erlaubt, besser auf dem Mars zu operieren." Und NASA-Astronaut James Lovell sprach von einer "guten Idee". Die Herausforderung des Mondes könnte dem Raumfahrtprogramm neuen Schwung geben und würde von der Öffentlichkeit begrüßt, sagte Lovell dem "Boston Globe".

Und nicht Überzeugte

Doch andere wie die Astronautenlegende Buzz Aldrin, der als zweiter Mann den Mond betrat, sind weniger überzeugt. Das Ganze wirke mehr wie der Versuch, nach dem Ruhm der Vergangenheit zu streben. Er sei eher für den Bau einer permanenten Startrampe im All, in der so genannten L-1-Zone, wo sich die Gravitationskräfte von Erde und Mond ausgleichen. Von hier aus könnten Expeditionen zum Mars oder weiter hinaus für deutlich weniger Geld als vom Mond aus starten, argumentierte Aldrin in der "New York Times".

Kostenfaktor

Die neue Debatte hängt unter anderem auch mit der Unzufriedenheit mancher Wissenschafter und Abgeordneter mit der teuren internationalen Raumstation zusammen, deren weiterer Ausbau wegen des Absturzes der "Columbia" vorläufig gestoppt wurde. "Die Raumstation sei nicht der Transportknoten für Missionen außerhalb des Orbits, die sie sein sollte, sagte der Physiker Wesley Huntress vom Carnegie- Institut in Washington bei einer Kongressanhörung. Und die Raumfähren seien nicht die billigen, sicheren Transportmittel, die sie sein sollten. "Wenn man sein Haus verlässt, ist das Ziel irgendwo hin zu gehen, nicht endlos um den Block zu kreisen."

"Florida Today", die Zeitung, die sich als mediale Vertreterin der "Weltraumküste" sieht, unterstützte in einem Kommentar theoretisch einen "entschlossenen, neuen Kurs", warnte aber, das Ganze dürfe nicht nur ein Wahlkampftrick sein. Und außerdem müsse die Finanzierung sicher gestellt werden. Schon 1989 habe der frühere Präsident George Bush zur Rückkehr zum Mond aufgerufen, doch nachdem die NASA die Kosten dafür auf 400 Millionen Dollar (327 Millionen Euro) angesetzt habe, sei der Plan stillschweigend begraben worden. (APA/dpa)

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