Flitzt schneller als jeder Prozessor

14. Dezember 2003, 22:25
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Das Potenzial für Embedded Systems ist um vieles größer als das des Personal Computers

Da Embedded Systems meist unsichtbar sind, wurde lange Zeit ihre Bedeutung verkannt. Schätzungen zufolge sind heute 99 Prozent aller Mikrocomputer im Embedded-Bereich eingesetzt, das heißt: Ihr Markt ist 100-mal größer als der des Personal Computers. Laut der World Semiconductor Trade Statistics Group (WSTS) kletterte der Anteil der mit Embedded Systems ausgestatteten Produkte von 14 Prozent 1996 auf 23 Prozent 2001. Tendenz stark steigend - im Gegenteil zum klassischen PC, da ging der Anteil im gleichen Zeitraum von 50 auf 42 Prozent zurück.

Schon 80 Prozent aller Innovationen in den Massenanwendungsbereichen wie Autobranche, Luftfahrt, Raumfahrt, Eisenbahn, Industrielle Automatisierung, Medizintechnik oder Kommunikationsbranche basieren auf Embedded Systems. Die wirtschaftliche Bedeutung wächst beständig: Laut Studien und Prognosen (PriceWaterhouseCoopers u. a.) wird der Weltmarkt für lenkerunterstützende Systeme in der Automobilindustrie in den nächsten Jahren um 50 Prozent anwachsen (bei einem jährlichen Volumen von zwei bis drei Mrd. Euro); die Autoelektronik wird bei einem Wertschöpfungsanteil von bald 50 Prozent (ab 2010) 170 Mrd. Euro in Hardware und 100 Mrd. Euro in Software umsetzen.

Auch junge Firmen aus dem kalifornischen Silicon Valley, wie der Chiphersteller Tensilica, haben den Markt der Embedded Systems für sich entdeckt: Fünf- bis 250-mal schneller als ein klassischer Computerprozessor sollen die Embedded Systems laut Tensilica sein. Kosten und Stromverbrauch sind dagegen um 99 Prozent geringer. Also ausschließlich rosige Aussichten für den Embedded-Bereich? Nicht ganz: Durch den Einsatz von Embedded Systems ergeben sich entscheidende Vorteile - bei Autos zum Beispiel durch fahrerunterstützende Systeme, geringeren Verbrauch und Schadstoffausstoß, es ergeben sich aber auch Risiken. So wurde auf der letzten Informatiktagung in Deutschland Anfang Oktober dieses Jahres zitiert, dass bereits heute 55 Prozent der Störungen von Autos auf Elektronik und Software zurückzuführen sind. Die Entwicklung der Systeme steht also noch am Anfang. (mia/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 12. 2003)

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