Blechschäden und Käuferinvasionen

9. Dezember 2003, 17:23
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Der 8. Dezember erhöhte die Verkehrsdichte und stimulierte die Hoffnung im Handel doch noch einiges aufholen zu können

Wien - "Jeder wollte der Erste sein", schilderte ein Mitarbeiter des Autofahrerklubs ÖAMTC die Situation in den Vormittagsstunden des 8. Dezembers rund um die Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf südlich von Wien.

"In den Zufahrten herrschte eine regelrechte Drängerei, bei der es immer wieder zu kleinen Karambolagen mit Blechschäden bei der Parkplatzsuche kam", so der professionelle Verkehrsbeobachter.

Der heurige Marienfeiertag war im Gegensatz zum Vorjahr wieder ein Einkaufstag - und wurde von den Massen auch als solcher genützt. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sagte deswegen in seiner Predigt im Stephansdom resignierend: "Es tut weh, hinauszugehen und zu sehen, was aus dem 8. Dezember geworden ist. Mein Herz protestiert dagegen, dass das Fest heute zwar ein Feiertag ist, aber zum Shopping."

Einkaufszentren frohlocken

Jubelmeldungen hingegen tönten aus den Einkaufszentren des gesamten Landes: "Das kalte Wetter treibt die Menschen in die Geschäfte", so Christoph Adamek, Zentrumsleiter der SCS. In der Wiener Innenstadt war der Vormittag eher flau, wie in den Vorjahren erhöhte sich die Dichte am späten Nachmittag.

"Wahnsinn, die Leute wollten schon in der Früh die Absperrung durchbrechen", so Susanne Solterer vom Outletcenter-Betreiber McArthurGlen, der am burgenländischen Standort Parndorf am Montag 20 neue Shops eröffnete.

Staus und überfüllte Parkplätze waren die Folge. Am Grenzübergang Kleinhaugsdorf, wo zwischen den Grenzbalken das Billigeinkaufszentrum Excalibur und ein Freeport-Outletcenter stehen, wartete man schon am Vormittag dreißig Minuten auf die Ausreise.

Buchstäblich überrannt

"Buchstäblich überrannt" fühlten sich die Betreiber des Grazer Traditionskaufhauses Kastner & Öhler, was freilich "großartig" gewesen sei. "Es ist sensationell, das wird einer der stärksten Tage überhaupt", sagt auch der Geschäftsführer des schärfsten Konkurrenzstandortes der Grazer Innenstadt, Peter Panwinkler von der Shopping City Seiersberg.

Salzburg dagegen wurde von italienischen Bustouristen bevölkert. "Bei uns geht es total zu", so Michaela Roider vom Spielwarenhändler Neumüller in der Getreidegasse. "Perfekt", war der Kommentar von Christoph Andexlinger, Centermanager von Salzburgs größtem Einkaufszentrum, dem Europark, "um halb zehn war das Haus voll". Die Linzer Pluscity berichtet von einer "regelrechten Invasion".

Es zeigte sich also ein Bild wie in vergangenen Jahren: Die Einkaufsagglomerationen jubeln über Besucheranstürme, die Randlagen können nur hoffen, etwas abzubekommen. Die Supermärkte erhöhten die Frequenzen zusätzlich, indem sie spezielle Rabattaktionen fuhren: Billa gab minus zehn Prozent auf alle Waren, Spar minus 25 Prozent auf Obst und Gemüse. (DER STANDARD Printausgabe, 09.12.2003 szem, APA)

  • Weihnachtseinkäufer tummeln sich auf den Straßen und in den Einkaufszentren.
    aoa/waltraud grubitzsch

    Weihnachtseinkäufer tummeln sich auf den Straßen und in den Einkaufszentren.

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